Wirtschaft : Europa wird der EADS zu klein

Der Luftfahrtkonzern will vor allem in Asien präsent sein – von dort kommen die meisten Aufträge

Bernd Hops

Dresden - Der größte europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS will sich stärker internationalisieren und hat dabei vor allem China, Indien, Russland sowie die USA im Auge. Co-Chef Tom Enders sagte in Dresden, 60 Prozent des Konzernumsatzes würden mittlerweile außerhalb Europas erwirtschaftet, doch der Einkauf erfolge zu 97 Prozent in der Heimatregion, in der außerdem 72 Prozent der Beschäftigten leben. „Das ist ein schönes Business-Modell, das aber nicht mehr haltbar ist“, sagte Enders.

So werde man etwa in Asien „in einigen Jahren einige Tausend Arbeitsplätze“ haben. Gustav Humbert, Chef des zum Konzern gehörenden Flugzeugbauers Airbus, sagte, voraussichtlich ab Ende 2008 werde es eine Endfertigung des Modells A320 auch in China geben. Allerdings gehe das nicht auf Kosten der Beschäftigten etwa in Deutschland. Enders schätzte, dass allein Airbus in diesem Jahr hier zu Lande 1200 Mitarbeiter einstellen wird.

EADS hat im vergangenen Jahr mit 34,2 Milliarden Euro den höchsten Umsatz seiner Geschichte erzielt, 2006 sollen es mehr al 37 Milliarden Euro werden. Vor allem das Geschäft von Airbus wächst – insbesondere dank immer höherer Orders aus den aufstrebenden Wirtschaftsregionen der Welt. China, Indien, Brasilien und die GUS hatten im vergangenen Jahr einen Anteil an den gesamten Flugzeugorders, die das Unternehmen einsammeln konnte, von fast 35 Prozent oder mehr als 600 Maschinen. Bisher hatte China dominiert, nun nehmen auch die Bestellungen aus Indien zu. „Hier geht die Post ab“, sagte Enders. Für weiteres Wachstum habe EADS genug Geld – netto etwa 5,5 Milliarden Euro in bar.

Schwierig sei der russische Markt. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel sagte Airbus-Chef Humbert, man habe keine Anzeichen dafür, dass sich die aktuelle Auseinandersetzung über die künftige Energiepolitik Europas negativ auf die Wirtschaftsbeziehungen zu Russland auswirke. Es sei aber nicht auszuschließen. Für die nächsten Wochen wird eine Entscheidung der russischen Fluggesellschaft Aeroflot über neue Bestellungen erwartet. Neben Airbus hat sich auch der US-Konzern Boeing beworben. Zunächst geht es um 20 bis 25 Maschinen. Teil des Airbus-Angebots sei auch eine stärkere Zusammenarbeit mit russischen Firmen, sagte Humbert. Schon vor wenigen Wochen hatte EADS signalisiert, mit der neu formierten russischen Luftfahrtindustrie enger kooperieren zu wollen. Das Thema wird EADS-Chef Enders voraussichtlich in dieser Woche erneut besprechen. Er begleitet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihrem Russland-Besuch.

Zuversichtlich ist Airbus-Chef Humbert beim neuen Großflugzeug A380, das wegen Rissen in den Flügeln bei einem Belastungstest in die Kritik geraten war. Die Behörden hätten keine Wiederholung der Tests verlangt, sagte er. „Der Flügel sollte schließlich dabei zu Bruch gehen. Und es gab eine Vorschädigung.“ Ende dieses Jahres soll die erste Maschine ausgeliefert werden.

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