Wirtschaft : Europäer halten Asien die Treue

Zweiter EU-Asien Gipfel beginnt heute / Hochrangig besetzt / Auch finanzielle Hilfe BRÜSSEL/WASHINGTON (AFP).Zu einer Vertrauensdemonstration der Europäer für die krisengeschüttelten Staaten Asiens soll der zweite EU-Asien-Gipfel (Asem) werden, der heute in London beginnt.Die Europäische Union und die südostasiatischen Länder wollen dabei ihren Annäherungskurs fortsetzen.Die EU-Kommission, die britische EU-Präsidentschaft und Frankreich planen, einen Treuhänderfonds bei der Weltbank im Umfang von rund 92 Mill.DM einzurichten.Die Weltbank genehmigte am Mittwoch Indonesien Kredite in Höhe von 360,7 Mill.Dollar. Vor zwei Jahren waren die 15 Staats- und Regierungschefs der EU zum ersten Asem-Gipfel noch mit dem unbehaglichen Gefühl aufgebrochen, die Europäer könnten den Anschluß an die Boom-Region Südostasien verpassen.Die EU wollte den Wachstumsmarkt nicht Japan und den USA allein überlassen.Jetzt treten die asiatischen Tiger mit deutlich gestutzten Krallen den Gegenbesuch in Europa an.Das Treffen, zu dem auch Bundeskanzler Helmut Kohl und Außenminister Klaus Kinkel anreisen, soll bis Sonnabend dauern.Neben den 15 EU-Staaten werden China, Japan, Südkorea, Thailand, die Philippinen, Singapur, Indonesien, Malaysia, Brunei und Vietnam teilnehmen.Am Rande des Gipfels wollen die EU-Chefs zu einem ersten Treffen mit dem neuen chinesischen Ministerpräsidenten Zhu Rongji zusammenkommen. Die Krise in Asien hält die westlichen Staaten, den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Weltbank seit vergangenem Juli in Atem, als der thailändische Baht in den freien Fall geriet.In einem Domino-Effekt wurden die Volkswirtschaften anderer Staaten in der Region mit in den Strudel gezogen.In Thailand und Südkorea zeigen sich jetzt aber bereits die Früchte von Reformen und internationaler Hilfe. Sorgen bereiten der EU dagegen die Auswirkungen der Finanzkrise auf die japanische Wirtschaft und die stockenden IWF-Verhandlungen mit Indonesien unter seinem reformunwilligen Präsidenten Suharto.Sollten die IWF-Gespräche mit der Regierung Suharto über ökonomische Reformen scheitern, fürchten Experten neue Erschütterungen auch in den übrigen Staaten.Der 76jährige Staatschef selbst will die Reise nach London nicht antreten. Die Weltbank hat Indonesien unterdessen neue Kredite genehmigt.Die Millionen-Hilfen sind Teil eines Entwicklungsprogramms und unabhängig von dem großen Finanzhilfekonzept, das die Weltbank dem Land zur Lösung der schweren Wirtschaftskrise zukommen läßt.Bei den jetzt bewilligten Entwicklungsgeldern handelt es sich um Mittel zur Verbesserung von Straßen im Norden der Insel Sumatra (234 Mill.Dollar).103,5 Mill.Dollar werden für die Schulerziehung im Westen der Hauptinsel Java aufgewendet.Mit 16,3 Mill.soll die Armut in der Region Maluku bekämpft werden.Die Vereinten Nationen warnten unterdessen, etwa 7,5 Millionen Indonesier seien von einer Lebensmittelknappheit bedroht, falls die extreme Trockenheit in diesem Jahr anhalte. Finanzielle Hilfe für die Tigerstaaten soll auch aus Europa fließen.Die EU-Kommission, Frankreich, Großbritannien haben bereits rund 55 Mill.DM in einen Treuhänderfonds eingezahlt.Mit dem Geld soll vor allem der Einsatz von Experten finanziert werden, welche den Banken und Regierungen in Asien bei Finanzprojekten mit technischer Hilfe zur Seite stehen sollen."Ein Tropfen im Ozean verglichen mit dem Geld, das die EU bereits über den IWF als Asienhilfe ausgab", wie ein britischer EU-Vertreter meint.Auch in Deutschland wird dieser Fonds skeptisch gesehen.In Bonn zieht man es vor, die bereits existierenden Instrumente bei IWF und Weltbank zu nutzen. Die EU werde ihre in Bangkok eingeschlagene Politik beibehalten und Investoren weiter zum Engagement ermutigen, erklärte ein Kommissionsmitarbeiter in Brüssel im Vorfeld des Gipfels.Wenn die Krise vorbei sei, würden die Investitionen umso stärker steigen.Die EU-Exporte nach Südostasien erreichten 1996 einen Umfang von 123 Mrd.Dollar.Dazu flossen Kredite europäischer Banken im Umfang von schätzungsweise 350 Mrd.Dollar.

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