Wirtschaft : Europäer schreiben China ab Unternehmen klagen

über Protektionismus

Peking - Europäische Firmen in China fürchten zunehmend um ihre Gewinne. Fast jede Firma aus dem EU-Raum, die im Reich der Mitte tätig ist, spürt bereits die Folgen der Krise. Jedes zweite Unternehmen beklagt den wachsenden Protektionismus. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Europäischen Handelskammer in China, die am Dienstag in Peking vorgestellt wurde. Dies sei schon ein beachtlich hoher Anteil, sagte EU-Kammerpräsident Jörg Wuttke. „Das zeigt, dass wir hier ein Problem haben.“

Anfang Juni hatte Peking lokalen Stellen angeordnet, bei Käufen und Aufträgen für das umgerechnet 415 Milliarden Euro schwere Konjunkturprogramm nationale Produkte möglichst zu bevorzugen. Ausländische Erzeugnisse dürfen danach nur mit Sondergenehmigung angeschafft werden. Die „Kauf chinesisch“-Klausel hatte international Kritik ausgelöst.

Viele europäische Firmen stellen sich darum auf magerere Zeiten ein. Zwar wird China laut Studie weiter als wichtigster Markt zur Stabilisierung des Gesamtgeschäftes gesehen, doch für dieses und nächstes Jahr sind zwei Drittel der EU-Firmen mit Blick auf die Ertragslage wenig optimistisch. „Der Optimismus über die Profitabilität hat sich in allen großen Sektoren verringert“, schreiben die Autoren der jährlich erhobenen Studie.

„Ich würde es so formulieren: Vom Optimismus zum Realismus“, sagte EU- Kammerpräsident Wuttke. Dennoch wachse die Bedeutung Chinas für die Unternehmen aus Europa deutlich, denn der Einbruch an den heimischen Märkten sei meist noch fataler. 71 Prozent der Firmen gaben an, dass das Heimatgeschäft von der Krise stärker betroffen sei als das Geschäft in China.

Doch auch im Reich der Mitte macht sich Ernüchterung breit: Noch vor einem Jahr hatte sich jedes zweite Unternehmen aus der Europäischen Union optimistisch zu den Gewinnaussichten geäußert – deutlich mehr als in diesem Jahr. Für 2008 meldeten immerhin 63 Prozent der befragten Unternehmen einen Gewinn, doch gegenüber dem Vorjahr (70 Prozent) bedeutet dies einen Rückgang. Gleichzeitig legten auch die Verlustmacher zu: Hatten 2007 nur 16 Prozent der EU-Firmen in China einen Verlust ausgewiesen, stieg die Zahl 2008 laut Kammer auf 21 Prozent. and (HB)

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