Europäische Airlines : Flug in die roten Zahlen

Luftfahrtverband sagt Millionenverluste für Europas Fluggesellschaften voraus. Schuld sind Euro-Krise, Steuern und Emissionshandel.

von
Geschäft durchkreuzt. Fluggesellschaften machen auch in guten Zeiten keine große Marge. Löst sich die Krise nicht bald in Luft auf, könnte es eng werden für manche Airline. Foto: dpa
Geschäft durchkreuzt. Fluggesellschaften machen auch in guten Zeiten keine große Marge. Löst sich die Krise nicht bald in Luft...Foto: dpa

Berlin - Die Schuldenkrise hat die Fluggesellschaften in Europa erreicht. Die Gewinne, sofern es überhaupt noch welche gibt, schmelzen ab. Im kommenden Jahr dürften die in der EU ansässigen Airlines sogar Verluste in Höhe von zusammen 600 Millionen Euro verbuchen – selbst wenn sich die Regierungen schnell auf umfassende Maßnahmen zur Eindämmung der Schuldenkrise einigen sollten. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichen Prognose des Weltluftfahrtverbandes IATA hervor. Dessen Ausblicke gelten als Frühindikatoren der Weltwirtschaft, da Fluggesellschaften Krisen und mangelndes Verbrauchervertrauen schneller registrieren als Unternehmen vieler anderer Branchen.

Sollten Europas Politiker keine Lösung für die Probleme finden und eine neue Bankenkrise folgen, drohe allen Fluggesellschaften weltweit im kommenden Jahr gar ein Verlust von insgesamt rund 8,3 Milliarden Dollar (6,2 Milliarden Euro), rechnete die IATA auf Basis der jüngsten Konjunkturprognose der Entwicklungsorganisation OECD vor. Das wäre der größte Verlust seit der Finanzkrise 2008. Mehr als die Hälfte des Verlusts, 4,4 Milliarden Dollar, entfiele auf europäische Fluggesellschaften, die bereits heute knapp kalkulieren müssen. Einige Airlines dürften das nicht überleben.

„Diese Annahme ist zugegebenermaßen das Worst-Case-Szenario, aber keinesfalls undenkbar. Es sollte ein Weckruf für Regierungen in aller Welt sein“, sagte IATA-Generalsekretär Tony Tyler. Er vertritt 240 Fluggesellschaften, die gemeinsam 84 Prozent des Flugverkehrs abwickeln. Schon in guten Jahren arbeite die Branche kaum kostendeckend. Und in einem schlechten Jahr seien es gerade die Airlines, die das „Herz der globalen Wirtschaft am Pumpen halten“, sagte Tyler weiter. „Die Politik muss den zentralen Beitrag der Luftfahrt für die Gesundheit der Weltwirtschaft erkennen“.

Diese Aussage war vor allem Brüssel, Paris, Berlin und London gewidmet, da die Europäer den global operierenden Airlines nicht nur wegen der Euro-Krise Kummer bereiten. So hat die EU etwa einseitig beschlossen, den Flugverkehr in den Handel mit CO2-Emissionszertifikaten einzubinden. Konkret soll jede Gesellschaft, die ab dem 1. Januar 2012 einen EU-Flughafen ansteuert, Klimazertifikate kaufen müssen. Auch deutsche Konzerne wie Lufthansa und Air Berlin, die interkontinental unterwegs sind, wehren sich dagegen. Sie fürchten, dass Gesellschaften aus den USA und Asien befreit werden könnten – dann hätten sie einen klaren Wettbewerbsnachteil. Die Deutschen sehen sich zusätzlich durch die Luftverkehrssteuer des Bundes einseitig belastet. Diese hat dazu beigetragen, dass zum Beispiel Air Berlin in diesem Jahr operativ Verluste schreiben wird.

In einem moderaten Szenario, bei dem Europas Gesellschaften mit 600 Millionen Dollar Verlust davonkommen, rechnet die IATA weltweit immerhin noch mit einem Branchengewinn von 3,5 Milliarden Dollar. Das wären 1,4 Milliarden weniger als vor einem halben Jahr erwartet. Das liege unter anderem an den steigenden Kerosinpreisen und einem sinkenden Luftfrachtaufkommen. Die Zahl der beförderten Passagiere dürfte indes um vier Prozent steigen, erwartet die IATA.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben