Wirtschaft : Europäische Messeveranstalter: Frankfurt befürchtet Angriff aus Berlin

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Der Wettbewerb der europäischen Messeveranstalter wird von Michael von Zitzewitz, dem Chef der Messe Frankfurt, mit Sorge beobachtet. Verantwortlich dafür ist vor allem die Übernahme von Miller Freeman Europe durch den britisch-niederländischen Medien- und Messekonzern Reed Elsevier. Durch die rund 1,2 Milliarden Euro teure Transaktion hat sich Reed im Sommer rund einhundert Messen in Europa dazugekauft, davon 18 in Deutschland. Reed ist unter anderem im Bereich von Konsumgütermessen, wo Frankfurt eine führende Rolle spielt, zu einem starken Konkurrenten geworden. Mit der Berliner Messe hat Reed bereits eine Kooperation vereinbart, unter anderem mit Blick auf die Tourismusbörse. Zwölf weitere Messethemen will Reed in Berlin etablieren. "Durch dieses Geschäft hat sich das Umfeld in Europa dramatisch verändert. Der Strategie von Reed ist ein Angriff auf die Messe Frankfurt", sagte Zitzewitz am Freitag. Sein Unternehmen hatte selbst starkes Interesse an Miller Freeman, konnte mit der deutlich höheren Offerte allerdings nicht mithalten.

Jetzt baut die Messe Frankfurt auf die eigene Stärke und auf Kooperation, vor allem mit der Messe Hannover. Von einer Fusion der beiden Unternehmen, die Zitzewitz noch im Sommer in den Raum gestellt hatte, will er jetzt aber nichts mehr wissen. Das war angeblich nie ein Thema. Trotzdem sei Hannover ein "logischer Messepartner": Die Messen beider Seiten ergänzten sich, und im Ausland gebe es vielfältige Kooperationsmöglichkeiten. Auch beim Auftritt im Internet könne man zusammenarbeiten. Gleichzeitig will die Frankfurter Messe ihre Expansion vor allem im Ausland und hier jetzt auch in Westeuropa aus eigener Kraft vorantreiben. Westeuropa sei für Frankfurt noch ein weißer Fleck. Das Wachstum könne man aus eigener Kraft finanzieren, sagt Zitzewitz. Es gebe keinen Kapitalbedarf, zumal die Anteilseigner, die Stadt Frankfurt und das Land Hessen, auf eine Dividende verzichten. Eine Privatisierung der Messe erachtet Zitzewitz deshalb als nicht notwendig. Bis 2009 will sein Unternehmen rund 1,5 Milliarden Mark in den Ausbau des Messegeländes, in Auslandsmessen und in neue Messen investieren. Derzeit entsteht eine neue Messehalle, wodurch die Hallenfläche um rund 30 000 auf 321 000 Quadratmeter steigt. Zugleich will sich die Messe ein rund 120 000 Quadratmeter großes Bahngelände für rund 70 Millionen Mark sichern.

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