Wirtschaft : Europäische Währung: Ein Hoch auf den Euro

Martina Ohm

Devisenhändler denken im Sekundentakt. Drei Wochen sind da fast schon eine kleine Ewigkeit. Verständlich, dass das Drei-Wochen-Kurshoch des Euro am Freitag gefeiert wurde. Ob sich Europas Gemeinschaftswährung damit aber nun unbeirrbar auf den Weg nach oben begeben hat, steht in den Sternen. Gut ein halbes Jahr vor der Euro-Bargeldeinführung wäre das für die bislang glücklosen Werbestrategen hier zu Lande der reinste Segen. Ein Euro, der sich anschickt dem Dollar Paroli zu bieten - besser kann niemand die Bürger überzeugen. Doch besteht ernsthaft mehr als nur Hoffnung auf eine Wende am Devisenmarkt? Die Trendwende wäre überfällig. Europas neue Währung muss den Vergleich mit dem Dollar nicht scheuen. Zwar verliert die Konjunktur weltweit an Schwung, doch im Euroraum verläuft die Entwicklung zurzeit dynamischer als in den USA. Vor allem aber an einer Stelle ist die US-Wirtschaft verwundbar. Das enorme Loch in der US-Leistungsbilanz zeigt: Die USA sind in einem viel stärkeren Ausmaß vom Vertrauen ausländischer Kapitalgeber abhängig. In einem gefährlichen Ausmaß. Wenn erst einmal die Stimmung kippt, kippt auch der Dollar. Tatsächlich werden die Klagen aus der Wirtschaft seit Monaten lauter. Angesichts flauer Börsen und verbreiteter Rezessionsangst monieren Unternehmen und Verbände die Überbewertung des "Greenback". Die Politik des starken Dollars gerät zunehmend in die Kritik. Ob dies aber schon ausreicht, um die US-Notenbank zu einer neuen konzertierten Intervention zu Gunsten des Euro zu bewegen, ist fraglich. Einigen Fondsverwaltern reichen die Spekulationen schon, um ihre Bestände umzuschichten. Von Dauer aber kann das nur sein, wenn auch Europa keine Zweifel an seiner Reformbereitschaft aufkommen lässt.

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