Wirtschaft : Europäische Währungsunion: "Griechenland hat die Wende geschafft"

Herr Papantoniou[Griechenland wird Anfang nä]

Jannos Papantoniou ist seit 1996 Minister für Wirtschaft und Finanzen in Griechenland. Der 51 Jahre alte Ökonom hat seinem Land in den vergangenen Jahren einen harten Reformkurs auferlegt, um die Beitrittskriterien zum Euro zu schaffen. Im Rahmen der Griechenland-Tage in Berlin wird der Minister auch mit seinen Amtskollegen Hans Eichel und Werner Müller und mit Vertretern der Wirtschaft zusammentreffen.



Herr Papantoniou, Griechenland wird Anfang nächsten Jahres Mitglied der europäischen Währungsunion. Was bedeutet dies für ihr Land?

Das ist ein historischer Moment für Griechendland. Wir sind stolz darauf, dass wir nach sechs Jahren harter Arbeit die Maastricht-Kriterien erfüllt haben. Die Inflationsrate liegt heute bei 2,8 Prozent. 1993 hatten wir noch 14 Prozent. Und die Neuverschuldung haben wir von 14 Prozent des Bruttosozialprodukts auf annähernd Null reduziert. Nächstes Jahr wollen wir sogar erstmals einen Überschuss erzielen. Die Wirtschaft hat sich insgesamt erholt. Nach zwei Jahrzehnten mit Wachstumsraten von einem Prozent, wächst die Wirtschaft in diesem Jahr um vier und nächstes Jahr vorraussichtlich um fünf Prozent. Sie sehen, wir haben eine wirkliche Kehrtwende der wichtigsten ökonomischen Grunddaten geschafft.

Wird Ihnen nicht bange, wenn Sie den Außenwert des Euro betrachten?

Natürlich machen wir uns auch Sorgen über die Schwäche des Euros. Andererseits ist unser Handel mit den USA sehr begrenzt. In der Hauptsache kommen unsere Handelspartner aus der EU und aus dem Schwarzmeer-Raum. Unsere Hauptsorge gilt vielmehr dem teuren Öl und den teuren Rohstoffen, die wir importieren müssen.

Mit dem Beitritt zum Euro-Raum verliert Griechenland auch die Möglichkeit, die eigene Währung abzuwerten. Ist die griechische Wirtschaft ausreichend wettbewerbsfähig?

Wir werden ganz sicher weiterhin ein Wettbewerbsproblem haben. Unsere Volkswirtschaft ist eben doch noch nicht so entwickelt wie in anderen europäischen Länder. Andererseits kommen wir mit Riesenschritten vorwärts. Die Produktivität nimmt pro Jahr um etwa drei Prozent zu. Außerdem tragen unsere Reformbemühungen - die Liberalisierung von ganzen Wirtschaftszweigen, die Privatisierung von Staatsunternehmen, die Reform des Arbeitsmarktes und der öffentlichen Verwaltung - zu Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum bei.

Die Reformbemühungen verlangen beträchlichte Opfer der Bevölkerung. Wie lange machen die Leute noch mit?

Die Griechen haben unsere Politik in den vergangenen sechs Jahren unterstützt und uns auch mit großer Mehrheit wieder gewählt. Die Bürger wollen zum Kern der europäischen Länder gehören und freuen sich, bald der Währungsunion beizutreten. Sie merken, dass es der griechischen Wirtschaft deutlich besser geht als noch vor Jahren. Das hat es der Regierung auch ermöglicht, die direkten und indirekten Steuern zu senken und die Sozialausgaben zu erhöhen. Die Bevölkerung hat also durchaus das Gefühl, dass der Beitritt zur Währungsunion etwas bringt.

Unter Ihrer Führung als Wirtschafts- und Finanzminister hat Griechenland große Fortschritte gemacht. Wie sieht Ihre künftige Wirtschaftspolitik aus?

Wir haben zwei Hauptaufgaben. Einmal müssen wir an einer sehr disziplinierte Fiskalpolitik festhalten. Wir müssen sicherstellen, dass wir auch wirklich vom kommendem Jahr an Haushaltsüberschüsse erwirtschaften. Nur so kann die Wirtschaft wirklich schnell wachsen. Nur so kann auch der riesige Schuldenberg Griechenlands abgebaut werden. Wenn der Staat dann weniger Zinsen zahlen muss, bekommt er auch wieder mehr Spielraum für andere Dinge. Er kann die Steuern weiter senken und die Sozialausgaben erhöhen.

Und wo liegt die zweite Herausforderung?

Wir müssen die Reformen weiterführen: Das heißt die Staatsunternehmen, wie die Luftfahrtgesellschaft Olympics, privatisieren oder strategische Partner für die griechische Telefongesellschaft finden. Außerdem wollen wir einige öffentliche Banken an die Börse bringen. Im nächsten Jahr soll außerdem der Energie- und Telekommarkt liberalisiert werden. Wir müssen auch unseren Arbeitsmarkt noch weiter flexibilisieren. Ganz wichtig wird aber sein, dass wir endlich die Reformen im Sozialsystem in Angriff nehmen. Ich hoffe, dass wir dafür die Unterstützung des Parlamentes bekommen. Auch wir müssen die umlagefinanzierte gesetzliche Rente durch eine private kapitalgedeckte Altersvorsorge ergänzen und das Gesundheitssystem grundlegend verbessern.

Herr Papantoniou, muss Griechenland die Osterweiterung der EU fürchten?

Nein. Die finanzielle Unterstützung von Brüssel ist bis 2007 vertraglich gesichert. Und bis dahin wird Griechenland viel weniger Geld aus den EU-Kassen brauchen.

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