Wirtschaft : Europäische Zentralbank bereitet neue Zinssenkung vor

Währungshüter fürchten wegen der höheren Ölpreise um den Aufschwung – Euro legt weiter zu

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Berlin (brö). Die Europäische Zentralbank (EZB) sorgt sich über die Auswirkungen des Irak-Konflikts und den damit verbundenen Ölpreisanstieg. Dies könnte sich negativ auf die weltweiten Konjunkturperspektiven auswirken, schreibt die EZB in ihrem Monatsbericht für den Januar vom Donnerstag. Die bereits eingetretene Preiserhöhung spiegele „die Gefahr von künftig stärkeren Spannungen an den Ölmärkten wider“. Daher bestünden noch immer Abwärtsrisiken für die Wirtschaftsaussichten im Euro-Währungsgebiet. Schwächten sich die Risiken ab, sei es dagegen wahrscheinlich, dass die Wirtschaftsleistung im Laufe des Jahres allmählich steige.

Angesichts des drohenden Irak-Krieges und der Krise in Venezuela notieren die Rohölpreise seit Wochen über 30 Dollar für ein Barrel (159 Liter) Nordsee-Öl. Auch an den Tankstellen steigen die Spritpreise. Mit dem Hinweis auf Gefahren für die Wirtschaft bereitet die EZB Beobachtern zufolge eine Senkung der Leitzinsen vor. Zwar nennt sie den aktuellen geldpolitischen Kurs im Monatsbericht „angemessen“. Eine Verschärfung der Irak-Krise könnte die EZB aber dazu veranlassen, mit einer Senkung der Zinsen die Konjunktur zu stützen. Zusätzlicher Spielraum könnte die Aufwertung des Euro bringen, die den Anstieg der Importpreise und damit die Inflation dämpft. Der Euro gewann an den Märkten am Donnerstag weiter an Wert und notierte bei 1,076 Dollar. Am 5. Dezember hatte die Zentralbank den Preis des Geldes von 3,25 auf 2,75 Prozent zurückgenommen.

Unterdessen mehren sich in den USA die Anzeichen für eine Belebung der Wirtschaft bis zum Sommer. Zum dritten Mal in Folge legte der Index der Konjunktur-Frühindikatoren zu, den das Washingtoner Forschungsinstitut Conference Board jeden Monat berechnet. Der Index, der einen Hinweis auf die Wirtschaftsentwicklung in den kommenden drei bis sechs Monaten gibt, stieg im Dezember leicht um 0,1 Prozent. Im November hatte er 0,5 Prozent gewonnen, im Oktober 0,2 Prozent. Nach Angaben des Conference Boards trugen im Dezember hauptsächlich eine Zunahme von Baugenehmigungen, längere Arbeitszeiten und eine größere Nachfrage nach Büroausrüstungen und Verbrauchsgütern zum Aufwärtstrend bei. Derweil gibt es aber noch keine Erholung auf dem Arbeitsmarkt: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg in der vergangenen Woche leicht an, und zwar um 18 000 auf 381 000. Die Europäer hoffen auf eine baldige Besserung der Lage in Amerika, damit der Absatz ihrer Produkte in den USA anzieht und die Börsenkurse wieder steigen.

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