Wirtschaft : Europäische Zentralbank: Der Euro ist stabil

FRANKFURT (MAIN) (ro/uhl/wmu/HB). Die Europäische Zentralbank (EZB) hält trotz der Euro-Schwäche an ihrem geldpolitischen Kurs fest. Der EZB-Rat hat auf seiner Sitzung am Donnerstag in Frankfurt alle drei Leitzinssätze unverändert gelassen. EZB-Präsident Wim Duisenberg begründete dies mit der andauernden Preisstabilität im Euro-Gebiet. Wie die Notenbank weiter mitteilte, hat der Druck von Euro-Banknoten in einigen Ländern, darunter Deutschland, jetzt begonnen. In 900 Tagen wird der Euro als Bargeld eingeführt.Duisenberg rechnet nach wie vor mit einer Stärkung des Euro. "Der Euro gründet fest auf interner Preisstabilität und hat deshalb ein klares Potential für einen stärkeren Außenwert". Die Geldpolitik der EZB stütze diese Entwicklung, meinte Duisenberg. Da die Aussichten für die Preisstabilität nach wie vor günstig seien, ließ der EZB-Rat die Leitzinsen unverändert. Angesichts eines stärkeren Kreditwachstums und allmählich besserer Aussichten für die Konjunktur will die EZB in den nächsten Wochen und Monaten die Entwicklung der Preise aber "sehr, sehr genau" beobachten. Ob damit einer Änderung der Geldpolitik verbunden sein könnte, ließ Duisenberg offen.Mit Blick auf die Konjunktur forderte der EZB-Präsident die Politik auf, mit durchgreifenden Strukturreformen das Vertrauen zu stärken und die Staatsfinanzen auf eine gesunde Basis zu stellen. Kritik an einzelnen Ländern habe die EZB in jüngster Zeit nicht geübt, bekräftigte Duisenberg. Spekulationen darüber waren am Donnerstag wegen eines Berichtes der EZB an den Rat der europäischen Finanzminister aufgekommen. Demnach liefen neben Italien auch Deutschland und Frankreich Gefahr, die Neuverschuldung über die im Maastricht-Vertrag festgelegte Drei-Prozent-Grenze auszuweiten. Bundesfinanzminister Eichel (SPD) betonte, der Anstieg in Deutschland werde in diesem Jahr bei zwei Prozent, im kommenden Jahr nur noch bei 1,5 Prozent liegen. "Es gibt derzeit keine besonderen Risiken in bestimmten Ländern", betonte auch EZB-Vize-Präsident Christian Noyer. Für absehbare Zeit sei nicht erkennbar, daß der Stabilitäts- und Wachstumspakt gebrochen werde, ergänzte Duisenberg.Der Kurs des Euro geriet am Donnerstag mittag wieder etwas unter Druck. Die Gemeinschaftswährung konnte sich nach stabilem Handelsbeginn nicht über 1,02 Dollar behaupten. Im Referenzkursverfahren Öffentlicher Banken wurde der Euro am Donnerstag mit 1,0195 Dollar festgestellt, nach 1,0175 Dollar am Vortag.Rund 900 Tage vor Ausgabe des Bargeldes am 1. Januar 2002 hat die Produktion der Euro-Banknoten begonnen. In Belgien, Deutschland, Italien, den Niederlanden und Spanien haben Druckereien die Arbeit aufgenommen. "Dies ist ein wichtiger Meilenstein für die Währungsunion", betonte Noyer. Insgesamt werden rund 13 Mrd. Euro-Scheine gedruckt: Neun Mrd. sollen die nationalen Geldscheine ersetzen, vier Mrd. dienen als Reserve. Diese Anzahl entspricht aneinandergereiht der vierfachen Entfernung zwischen Erde und Mond. In Deutschland wird nach Angaben der EZB unter der Regie der Bundesbank mit 4,03 Mrd. Euro-Banknoten der mit Abstand größte Teil hergestellt. Die Entwürfe für die Banknoten waren im Dezember 1996 abgesegnet worden. Die Euro-Banknoten stellen auf der Vorderseite Baustile aus sieben Epochen da, auf der Rückseite wird dies durch die Abbildung einer jeweils typischen Brücke ergänzt. Die Bezeichnung für Euro erscheint in lateinischer und griechischer Schreibweise, zu sehen ist die Flagge der Europäischen Union und natürlich die Unterschrift des EZB-Präsidenten Wim Duisenberg. Die Produktion der Euro-Münzen hat im übrigen bereits im Mai begonnen. Geprägt werden 56 Mrd. Münzen mit einem Gewicht von 250 000 Tonnen.

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