Wirtschaft : Europäische Zentralbank: "Der Zinsschritt war richtig" (Interview)

Herr Heise[halten Sie den EZB-Schritt für ri]

Herr Heise, halten Sie den EZB-Schritt für richtig?

Ja, der Schritt ist richtig. Damit schlägt die EZB in ihrer Geldpolitik einen neutralen und vorsichtigen Kurs ein.

Wäre ein halber Prozentpunkt nicht besser und klarer gewesen?

Nein, denn es gibt doch einige Unwägbarkeiten: Inwieweit die Preissteigerungen bei Importen in der gesamten Wirtschaft weiter durchgereicht werden ist ebenso unklar wie die Preisentwicklung beim Öl und die Kursentwicklung beim Euro.

Sie meinen wegen der Kerninflation, die um rund ein Prozent niedriger liegt als die offizielle Inflationsrate von 2,4 Prozent?

Ja, die EZB muss wegen der von außen kommenden Einflüsse auf die Inflation vorsichtig sein und sollte nicht mit der Brechstange vorgehen. Allerdings ist für die nächsten Monate noch mit einem leichten Anstieg der Kerninflation zu rechnen, denn die höheren Import- und Energiepreise sind noch nicht ganz auf die Preise von Investitions- und Konsumgütern weitergewälzt worden.

Wird sich die Zinserhöhung auf die Konjunktur auswirken?

Kaum, die Geldpolitik ist kein Konjunkturkiller.

Und der schwache Euro?

Der wird sich durch den Zinsschritt wenig bewegen. Beim Euro sind nicht die Zinsen ein Problem, sondern noch mangelndes Vertrauen der Finanzmärkte an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs im Euroraum. Es gibt weiterhin Strukturprobleme, und die bisherigen Reformbemühungen werden offenbar noch zu gering gewichtet. Das liegt auch daran, dass der Euroraum nicht als einheitliches politisches und wirtschaftliches Gebilde wahrgenommen wird. Und dass manches auch nicht gut verkauft wird.

Zurück zur EZB. Ist nach dem Zinsschritt Ruhe?

Nein, ich könnte mir eine weitere kleine Erhöhung in diesem Jahr vorstellen. Dann wäre sehr wahrscheinlich die oberste Stufe der Zinstreppe erreicht und die Preisstabilität mittelfristig auch gesichert.

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