Wirtschaft : Europäische Zentralbank: EZB lässt die Leitzinsen unverändert

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen in der Euro-Zone erwartungsgemäß unverändert gelassen. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken entscheidende Schlüsselzins betrage weiter 4,75 Prozent, teilte die EZB am Donnerstag im Anschluss an das turnusmäßige Ratstreffen in Frankfurt mit. Analysten sagten, für eine Zinssenkung nach US-Vorbild gebe es derzeit angesichts der relativ hohen Inflation und günstigerer Wachstumsaussichten in der Euro-Zone im Vergleich zu den USA keinen Grund. Mit Zinssenkungen sei frühestens am Ende des ersten Quartals zu rechnen. Der Euro hat unterdessen wieder an Wert gewonnen. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 0,9404 Dollar fest - nach 0,9396 Dollar am Mittwoch. Die US-Währung kostete damit 2,0798 (2,0816) Mark. Am Aktienmarkt gab der Dax nach der Entscheidung etwas nach.

Analysten zeigten sich wenig überrascht von der Zinsentscheidung der EZB. "Wegen der robusten Konjunkturlage in der Euro-Zone und einem noch nicht allzu rosigen Inflationsbild rechnen wir damit, dass die EZB innerhalb diesen Jahres die Leitzinsen nicht senken wird", sagte Bernd Weidensteiner von der DG Bank. Für 2001 gehe er von einem Wirtschaftswachstum von 2,5 bis 2,6 Prozent aus, für 2002 erwarte er sogar 3,5 Prozent. Diese hohe Wachstumsprognose spreche nicht für eine Zinssenkung.

Von einer "der unspektakulärsten Ratssitzungen seit langem" sprach Manuela Preuschl von der Deutschen Bank Research. Bereits in ihrem Monatsbericht Januar habe die EZB angedeutet, zunächst nicht an der Zinsschraube zu drehen. Auch wirke der etwas festere Euro-Kurs derzeit nicht über nachlassende Exporte als Bremse für die Konjunktur. Eine exportdämpfende Wirkung sei erst zu erwarten, wenn sich der Kurs der Parität zum Dollar nähere. Die Volkswirtin erwartet eine Zinssenkung um 25 Basispunkte zum Ende des ersten Quartals.

Nach der überraschenden Zinssenkung der US-Notenbank Fed um 50 Basispunkte auf 6,0 Prozent Anfang des Jahres war an den Kapitalmärkten darüber spekuliert worden, dass die EZB unter Zugzwang geraten und ebenfalls die Zinsen senken könne. Die Fed hatte aus Sorge über die nachlassende Konjunktur in den USA zu Jahresbeginn ihren wichtigsten Zinssatz um 0,5 Punkte auf 6,0 Prozent herabgesetzt. Weitere Schritte durch Notenbank-Chef Alan Greenspan werden schon Ende Januar erwartet.

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