Wirtschaft : Europäische Zentralbank fordert Maßhalten

FRANKFURT(MAIN) (AP).Trotz des gelungenen Starts des Euros hat die Europäische Zentralbank Politik und Wirtschaft zum Maßhalten bei Neuverschuldung und Lohnrunden aufgefordert.Die Bank werde die Abschlüsse der laufenden Tarifverhandlungen und die Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung in den Eurostaaten genau beobachten, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank am Montag abend in Frankfurt (Main) anläßlich der offiziellen Jahreseröffnung der Deutschen Börse.Der entscheidende dritte Leitzins werde auf absehbare Zeit auf dem jetzigen Niveau von drei Prozent verharren, bekräftigte Duisenberg zwei Tage vor der nächsten Sitzung des Zentralbankrats der Währungshüter und einen Tag vor der Vorlage des Jahreswirtschaftsberichtes der Bundesregierung.Duisenberg betonte vor mehr als tausend Gästen aus Politik, Wirtschaft und Medien, daß unerwartet hohe Einkommenszuwächse und ein deutliches Anwachsen der öffentlichen Defizite die Preisstabilität gefährden könnten.Mit den aktuellen Konsolidierungsanstrengungen der Währungsunion-Teilnehmerstaaten zeigte er sich insgesamt nicht zufrieden und unterstrich die Selbstverpflichtung der Länder im Stabilitäts- und Wachstumspakt.

Der EZB-Präsident wandte sich auch gegen Forderungen, die Notenbank müsse mit ihrer Geldpolitik stärker die hohe Arbeitslosigkeit und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den Euro-Ländern berücksichtigen.Die Arbeitsmarktprobleme im Euroraum haben nach Überzeugung von Duisenberg vor allem strukturelle Ursachen, hier seien nicht die Geldpolitik, sondern andere Politikbereiche gefordert.Eine laxe Geldpolitik wäre dabei das falsche Mittel, sie würde mittelfristig eher mehr schaden als nützen, weil sie das Investitions- und Sparvertrauen schädigen würde, mahnte der Währungshüter.

Duisenberg betonte zugleich, daß die Notenbank beim Euro kein Wechselkursziel und auch keine Wechselkurszielzonen verfolge.Erstes Ziel sei die Preisstabilität, man werde von der Notenbank doch auch in einer Rezession keine Zinserhöhung verlangen, wenn der Euro zur Abwertung neigen sollte.Der EZB-Präsident bezeichnete das wirtschaftliche Umfeld als "gemischt" und versicherte, daß die Notenbank diese Entwicklung sehr sorgfältig beobachten werde.Zur Entwicklung der Preise sagte Duisenberg, daß alle verfügbaren Prognosen für 1999 weder einen klaren Aufwärts- noch einen klaren Abwärtstrend zeigten.Die Bedingungen für Investitionen im Euro-Währungsgebiet seien sehr günstig.Der Aufschwung habe an Breite gewonnen, wie privater Konsum und Investitionen zeigten.Der Wirtschaftsausblick im Euroraum zeige aber sehr wohl auch die Unsicherheiten in der Entwicklung der Weltwirtschaft.Diese beeinträchtigten das Vertrauen der Industrie.Die Eintrübungen, wie sie aus Asien und Rußland kämen, hinterließen Spuren in den Auftragseingängen der Industrie.

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