EUROPÄISCHE ZENTRALBANK : Furcht vor Ansteckung

Die Herren im Frankfurter Eurotower zeigen sich standhaft: Jean-Claude Trichet, der im Oktober scheidende Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), sein Nachfolger, der Italiener Mario Draghi, Chef-Volkswirt Jürgen Stark und auch der neue Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, der für Deutschland im EZB-Rat sitzt. Ein Schuldenschnitt für Griechenland müsse unter allen Umständen vermieden werden, genauso wie eine Beteiligung privater Gläubiger an weiteren Rettungsmaßnahmen, betonen sie.

Die Währungshüter fürchten Ansteckungseffekte auf andere Krisenländer. Obwohl die Daten besser aussehen als in Griechenland, könnten die Finanzmärkte deren Pleite durchspielen. „Die EZB ist auf Kollisionskurs mit den Finanzministern,“ sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Trichet und seine Kollegen sehen die Verantwortung bei der Politik. Jahrelang hätten die Regierungen den Stabilitätspakt missachtet. Jetzt sei es an der Politik, aus dem Schlamassel herauszufinden. „Die EZB hat zu Recht deutlich gemacht, dass sie nicht Haushaltsdefizite mit der Notenpresse finanziert,“ betont Krämer.

Längst ist den Verantwortlichen im Eurotower klar, dass das im Mai 2010 gestartete Programm zum Ankauf von Staatsanleihen der Krisenländer – weshalb Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber auf den Präsidentenjob bei der EZB verzichtet hat – alles andere als ein Meisterstück war. „Die EZB ist damit weit vom Weg abgekommen,“ sagt Deutsche-Bank- Volkswirt Thomas Mayer. Die Unabhängigkeit habe einen schweren Knacks bekommen.

Den Schaden versucht Trichet jetzt zu beheben. Sie seien allein der Preisstabilität verpflichtet, wiederholt der Franzose und weiß sich dabei mit seinem Nachfolger aus Italien einig. Deshalb auch die jüngsten Zinserhöhungen, der in diesem Jahr eine weitere folgen dürfte. Aber ein Problem schafft die EZB nicht so schnell aus der Welt. Sie sitzt auf griechischen, portugiesischen und irischen Staatsanleihen im Volumen von rund 77 Milliarden Euro. Allein auf griechische Papiere sollen 45 Milliarden Euro entfallen. Bei einem Schuldenschnitt droht ein gewaltiger Verlust. „Die Risiken auf unserer Bilanz sind beherrschbar. Es ist Vorsorge getroffen worden,“ behauptet Chef-Volkswirt Stark. Zweifel bleiben und die Vermutung, dass sich die Währungshüter wegen der eigenen Lasten gegen einen Schuldenschnitt stemmen. ro

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