Wirtschaft : Europäische Zentralbank: Interview: "Es ist Zeit für niedrigere Zinsen"

Herr Mayer[die Amerikaner rücken der deutlic]

Herr Mayer, die Amerikaner rücken der deutlichen Konjunkturschwäche mit massiven Zinssenkungen zu Leibe. Ist das auch der richtige Weg für die Europäer?

Es gibt keine direkte Parallele zwischen der Politik der US-Notenbank und der EZB. Aber die weltwirtschaftliche Großwetterlage lässt niedrigere Zinsen in der Tat auch in Europa derzeit als empfehlenswert erscheinen.

Welchen Stellenwert hat die Geldpolitik in Europa?

Die Zinserhöhungen der EZB 1999 und 2000 haben auf die Konjunkturentwicklung dämpfend gewirkt. Zinssenkungen könnten entsprechend belebend wirken.

Der Euro steigt, die Preise fallen. Inwieweit soll die EZB ihren höheren Zinssenkungsspielraum ausnutzen?

Wenn die EZB die Zinsen senkt, kann sie die heimischen Wachstumskräfte stärken. Das kann schwächerem Exportwachstum, in Folge des stärkeren Euro, entgegenwirken. Rund 60 Prozent der Wirtschaftskraft im Euro-Raum hängen vom privaten Konsum ab.

Was bringt eine Zinssenkung um ein Viertelprozentpunkt dem europäischen Arbeitsmarkt?

Das lässt sich nicht so isoliert betrachten und auch nicht genau quantifizieren. Tendenziell begünstigt billigeres Geld natürlich die Situation am Arbeitsmarkt.

Setzen Wim Duisenberg und sein Team ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel, wenn sie die Zinsen nächsten Donnerstag senken?

Wer seinen Job richtig macht, wird nicht unglaubwürdig. Die EZB ist gut beraten, unabhängig von Buh- oder Hurra-Rufen aus dieser oder jener Ecke an ihrem Konzept der Stabilitätspolitik festzuhalten.

obwohl Preisstabilität in Zeiten, da der globalen Wirtschaft eine erste Bewährungsprobe droht und zahlreiche Jobs auf der Kippe stehen, an Bedeutung verliert?

Ich glaube nicht, dass Preisstabilität künftig nicht mehr zählt. Die aktuelle Diskussion lässt außer acht, dass stabile Preise, das heißt weder Inflation noch Deflation, in jedem Fall von Vorteil sind.

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