Europäische Zentralbank : Leitzins bleibt niedrig

Trotz Beruhigung der konjunkturellen Lage hält die Europäische Zentralbank (EZB) vorerst an ihren Krisenmaßnahmen fest. Der Sieg sei noch nicht geschafft, meint EZB-Präsident Trichet.

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Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, will den Leitzins weiterhin niedrig halten. Foto: dpa
Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, will den Leitzins weiterhin niedrig halten.Foto: dpa

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht die Krise ganz offensichtlich zu einem großen Teil überwunden, wartet aber noch damit ab, ihre außergewöhnlichen Krisenmaßnahmen wieder zurückzufahren. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet war am Donnerstag nach der Sitzung des EZB-Rates erkennbar bemüht, nicht zu viel Zuversicht zu verbreiten. Er wirkte aber gleichwohl erheblich entspannter als in den Wochen und Monaten zuvor. Der Stresstest der Banken habe bemerkenswerte Erfolge gezeigt, die Konjunktur im Sommer laufe besser als erwartet, und auch der Geld- und Interbankenmarkt normalisiere sich weiter. Trichet warnte aber vor Selbstgefälligkeit. „Wir erklären noch nicht den Sieg, wir bleiben vorsichtig“, sagte er vor der Abfahrt in seinen Urlaub nach Saint Malo in der Bretagne.

Für die zweite Jahreshälfte erwartet der EZB-Chef in der Euro-Zone einen weiteren, wenn auch moderaten Konjunkturaufschwung. Dieser werde weiter von Unsicherheit begleitet sein. Allerdings vermied Trichet seit Monaten zum ersten Mal den Ausdruck „große“ Unsicherheit, was erkennbar auf seine Entspannung und steigende Zuversicht hinweist.

Auch die Preisstabilität sieht der EZB-Präsident in diesem und im nächsten Jahr weiter gewahrt. Die Inflationsrate werde um das Niveau der letzten Monate hin pendeln. Im Juni hatte sie im Euro-Raum bei 1,4 Prozent, im Juli bei 1,7 Prozent gelegen. Bei einer Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent sieht die EZB die Preisstabilität gewahrt.

Den Leitzins beließen die Währungshüter am Donnerstag wie erwartet auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent. Volkswirte erwarten, dass die EZB die Geldschraube erst Ende 2011 wieder anzieht. Bis dahin bleiben die Kreditzinsen niedrig. Allerdings werden im Gegenzug auch Spareinlagen und Tagesgeld weiter nur mager verzinst.

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