Wirtschaft : Europäische Zentralbank: Rücktrittsabsichten Duisenbergs kategorisch dementiert

Erstmals seit der Intervention der Notenbanken im September ist der Euro wieder unter 85 Cent gerutscht. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte der Referenzkurs der Gemeinschaftswährung am Dienstag auf 0,8496 (Montag: 0,8511) Dollar fest. Zugleich geriet EZB-Präsident Wim Duisenberg unter Druck. Die EZB dementierte Marktspekulationen, Duisenberg wolle zurücktreten. Nach einem Interview Duisenbergs war der Euro Anfang der Woche wieder auf Talfahrt gegangen.

Der EZB-Chef hatte in einem Zeitungsinterview eine Intervention zu Gunsten des Euros für den Fall ausgeschlossen, dass die europäische Einheitswährung durch die Krise im Nahen Osten erneut unter starken Druck geraten sollte. Bisher habe die Drohung einer erneuten Intervention die Devisenmärkte in Schach gehalten, urteilten Währungsexperten.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) wollte die Äußerung Duisenbergs ebenso wenig wie sein französischer Kollege, der amtierende EU-Ratsvorsitzende Laurent Fabius, kommentieren. Die Position der Währungsunion sei eindeutig. "Der Euro hat starkes Aufwertungspotenzial. Wir sind alle an einem starken Euro interessiert", sagte Eichel am Rande des EU-Finanzministerrates in Luxemburg. Eichel erklärte weiter, man sei zufrieden mit der Arbeit des EZB-Präsidenten und der Europäischen Zentralbank. Es gebe keine Personaldebatte. Fabius bekräftigte, dass der Euro nicht den Eckdaten der Wirtschaft in den bislang elf Ländern der Währungsunion entspreche. Beide wiederholten die Haltung, dass die Intervention ein Instrument zur Stützung der gemeinsamen Währung sei, das existiere, aber nicht angekündigt werde. An der gemeinsamen Pressekonferenz mit Fabius und dem EU-Finanzkommissar Pedro Solbes am Montag abend hatte Duisenberg überraschend nicht teilgenommen. Führende Zentralbankvertreter betonten am Dienstag, dass Interventionen der EZB trotzdem weiter möglich und sinnvoll seien. Der belgische Zentralbankchef Guy Quaden unterstrich die Bereitschaft der führenden Notenbanken zu Eingriffen. Der schwache Euro sei "übertrieben und ungerechtfertigt". EZB-Direktoriumsmitglied Sirrka Hämäläinen sagte, unter den Zentralbanken herrsche Einigkeit über die negativen Auswirkungen der gegenwärtigen Fehlbewertungen an den Devisenmärkten.

Der Niederländer Wim Duisenberg steht seit gut zwei Jahren an der Spitze der Europäischen Zentralbank. Zu den wichtigsten Stationen seiner Laufbahn zählen der Internationale Währungsfonds, Finanzminister der Niederlande, Vizepräsident der holländischen Rabo-Bank und Chef der niederländischen Zentralbank. In der französischen Presse war Duisenberg auf Grund seines Interviews jedoch am Dienstag als "Tölpel" bezeichnet worden. In Paris macht man sich Hoffnungen, dass Claude Trichet den Niederländer beerben könnte.

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