• Europäische Zentralbank untersucht Risiko-Vorsorge der Kreditinstitute - Immobiliengeschäfte bergen größte Risiken

Wirtschaft : Europäische Zentralbank untersucht Risiko-Vorsorge der Kreditinstitute - Immobiliengeschäfte bergen größte Risiken

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Das Bankensystem in Europa ist nach Ansicht der Europäischen Zentralbank (EZB) zwar gesund und sehr robust und erleichtert damit auch eine stabilitätsorientierte Geldpolitik. Aktuell gebe es keine Risiken. Trotzdem sollten Bankenaufsicht, EZB und damit auch die nationalen Zentralbanken ihre Arbeit intensivieren und die Aktivitäten der Banken noch genauer unter die Lupe nehmen. Grund: Die Risikostruktur im Geschäft der Banken hat sich in den letzten Jahren stark verändert.

Nach Angaben von EZB-Direktoriumsmitglied Tommaso Padoa-Schioppa müssen Aufseher und Notenbanker zum einen auf mögliche Risiken im Immobilienbereich und auf entsprechende Vorsorge achten. Zum anderen ergeben sich neue Anforderungen, weil sich die Erträge der Banken immer weniger von den Zinsen abhängig sind, sondern von zinsunabhängigen Komponenten wie Provisionen, Kommissionen im Börsengeschäft oder bei der Betreuung von Fusionen oder Übernahmen. Möglicherweise ergeben sich nach Ansicht der EZB auch neue Kapitalerfordernisse. Die Folgen eines möglichen Börsencrashs für Banken hält Padoa-Schioppa allerdings für beherrschbar.

Padoa-Schioppa und Bundesbank-Direktoriumsmitglied Edgar Meister, der den Banken-Aufsichts-Ausschuss der EZB leitet, stellen den Banken trotz allem ein gutes Zeugnis aus. "Sie haben aus den Krisen der Vergangenheit gelernt und betrachten die Risiken sehr viel genauer als früher." Trotzdem weist die EZB in zwei neuen Studien der EZB über die Situation der Banken in Europa, die Meister und Padoa-Schioppa am Montag in Frankfurt vorstellten, auf mögliche Probleme hin. Dabei kristallisierte sich zum einen heraus, dass bei den Banken die Erträge aus nicht zinsabhängigen Geschäften immer wichtiger werden. Dies hat unter anderem mit dem anhaltenden Börsenaufschwung und dem damit verbundenen starken Interesse an Aktien zu tun. Dies gilt sowohl für Unternehmen, die mit Hilfe der Banken an die Börse gebracht werden als auch für Anleger, deren Nachfrage nach Aktien sprunghaft gestiegen ist. Daneben hat die Welle von Fusionen, Übernahmen und Allianzen den Banken stark gestiegene Einnahmen beschert. Schließlich sorgt das niedrige Zinsniveau und eine immer engere Zinsmarge automatisch für nicht mehr ganze so hohe Erträge im Zinsgeschäft. "Der Anteil der zinsunabhängigen Einnahmen an den gesamten Erträgen der Banken ist von 1995 bis 1998 in einem beachtlichen Ausmaß von 32 auf 41 Prozent gestiegen", sagt Meister. Die Gewinne der Banken seien dadurch deutlich gestiegen, auch wenn sie durch den Kostenanstieg wieder etwas abgemildert worden seien. Mit dieser Entwicklung sind nach Ansicht von Padoa-Schioppa und Meister neue Risiken im Bankgeschäft verbunden.

In der zweiten Studie stellt die EZB fest, dass ein Verfall der Immobilienpreise für die Banken ein größeres Risiko birgt als eine Talfahrt an den Aktienmärkten. Gleichwohl hätten die Finanzaufseher in der EU noch keine übermäßige Bedrohung für die Stabilität des Bank- und Finanzwesens registriert. Das Engagement der Banken im Immobilienbereich halten sie jedenfalls für erheblich problematischer. Darauf entfielen Ende Juni 1999 rund ein Drittel Ende Juni 1999 ihrer Ausleihungen.

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