• Europäische Zentralbank: Volkswirte üben harsche Kritik an der Politik der EZB - Mehr Offenheit gefordert

Wirtschaft : Europäische Zentralbank: Volkswirte üben harsche Kritik an der Politik der EZB - Mehr Offenheit gefordert

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Öffentlichkeit und Medien befassen sich viel zu intensiv mit dem täglichen Wechselkurs des Euro und achten zu wenig auf seine innere Stärke und die Preisstabilität in Euroland. Diesen Vorwurf erhebt Otmar Issing, Chefvolkwirt der Europäischen Zentralbank. Manche Beobachter würden den Vergleich des Wechselkurses mit anderen Währungen fast schon als "olympischen Wettbewerb" betrachten. Der tägliche Blick auf den Euro-Kurs als angeblicher Schlüsselfaktor für den Erfolg der Währung sei nicht besonders hilfreich, sagte Issing am Montag bei einer Konferenz mit Wissenschaftlern und Volkswirten der Banken in Frankfurt (Main). "Bei der Währungsunion geht es darum, Bedingungen für anhaltende Stabilität und Wachstum in Europa zu schaffen." Und dabei stehe die EZB in ihrem kurzen Leben für eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Vor allem habe sie bislang für ein Maß an Preisstabilität gesorgt, dass nur wenige vor einigen Jahren überhaupt für möglich gehalten hätten.

Issing musste sich auch Kritik anhören. Michael Heise, Chefvolkswirt der DG Bank, hält die Information der EZB über die Ratssitzungen für zu dünn. Zumindest eine Zusammenfassung der Diskussion müsse publiziert werden, um die Pro- und Contra-Argumente für Zinsentscheidungen einschätzen zu können. Manfred Neumann von der Universität Bonn kritisierte, dass die EZB den Meinungen der Ratsmitglieder zu wenig Raum lasse. Als viel zu stark rückwärts gerichtet stuft Francesco Giavazzi von der Universität Mailand die Informationspolitik der EZB ein. Er plädiert nachdrücklich für Inflationsprognosen. Issing wies die Vorwürfe zurück. "Die Strategie der EZB ist offen, transparent und ehrlich", sagte er.

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