Wirtschaft : Europäische Zentralbank: Wortspiele zu Lasten des Euro

Rolf Obertreis

Den Ärger hätte sich Wim Duisenberg ersparen können. Genau so wie den Devisenhändlern. Auch die Aufregung bis hinein in die politische Spitze in Berlin und Brüssel war unnötig. Dass die Europäische Zentralbank (EZB) nicht intervenieren würde, wenn der Euro-Kurs wegen der Krise im Nahen Osten weiter nach unten gehen würde, war Experten und Beobachtern klar. Aber manches, was klar ist, sollten gerade Notenbanker nicht aussprechen. Duisenberg hat genau dies getan, in dem er Stützungskäufe für den Euro ausschloss, wenn der Dollar wegen der Nahost-Krise weiter gestärkt und der Euro-Kurs dadurch weiter unter Druck geraten würde. Gerade Devisenhändler nutzen solche Äußerungen, um durch kurzfristige Geschäfte im weltweiten Währungsmonopoly Gewinne zu machen. Um so mehr in einer labilen Situation, in der der Euro seit Monaten steckt. Daran ändert wenig, dass die Euro-Schwäche eher eine Dollarstärke ist. Weshalb Interventionen ohnehin von zweifelhaftem Wert sind, es sei denn die großen Notenbanken gehen gemeinsam vor und greifen dann ein, wenn ein Trend in die gewünschte Richtung erkennbar ist.

Duisenberg hat einen Fehler gemacht und dadurch Rücktrittsgerüchte entfacht, die jedoch völlig aus der Luft gegriffen sind. Auch dies aber war ein Strohhalm, den die Devisenhändler freudig ergriffen haben. Naivität war es weniger, die den EZB-Präsidenten bei seinen unbedachten Äußerungen geritten hat. Wohl eher Ärger über das, was am Devisenmarkt alles kolportiert wird. Duisenberg hat sich in der Vergangenheit fast immer als kluger, zurückhaltender Notenbanker erwiesen, der lieber ein Wort zu wenig als zu viel sagt hat. Zu diesem Verhalten muss der EZB-Chef schnellstens zurückkehren. Über Geld- und Währungspolitik und über Interventionen kann und muss Duisenberg reden - aber erst dann, wenn Entscheidungen gefallen sind. Wie Ende September als die Notenbanken in Europa, den USA und Japan mit Milliarden-Käufen wenigsten ein wenig dem Euro helfen konnten. Eine Geldpolitik der ruhigen Hand ist gefragt. Hektik und Wortspiele helfen dem Euro nicht auf die Beine. Eigentlich müsste dies gerade Wim Duisenberg wissen.

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