Wirtschaft : Europäischer Energiemarkt: Versorger bieten Potenzial

pga

Auf dem europäischen Versorgermarkt scheint kein Stein auf dem anderen zu bleiben. Der zunehmende Wettbewerb zwingt Konzerne wie Eon oder RWE, sich nach Partnern umzuschauen, um über die Landesgrenzen hinweg neue Kunden zu gewinnen. Auch die Aktionäre der ehemaligen Staatsbetriebe werden anspruchsvoller und verlangen Maßnahmen, die sich langfristig positiv auf den Aktienkurs auswirken. Die Folge: Der europäische Versorgermarkt konsolidiert sich. Investmentbanker gehen davon aus, dass sich in den kommenden zwei bis drei Jahren fünf bis sechs große Versorger herauskristallisieren, die das Energiegeschäft regional steuern.

Michael Broeker von BNP gewichtet die Versorger über und hat Eon und RWE als "Outperformer" eingestuft. Jörg Natrop von der WGZ-Bank sieht Eon nach den vorläufigen Geschäftszahlen für 2000 kurzfristig ebenfalls als "Outperformer". RWE veröffentlicht am Mittwoch Zahlen. Das Interesse der Analysten an den Versorgern lässt sich auch daran ablesen, dass immer mehr Häuser ihre Kapazitäten auf diesem Gebiet verstärken.

In Deutschland ist der Energiemarkt bereits am weitesten für den Wettbewerb geöffnet. Mit Interesse schauen RWE und Eon nun nach Spanien. Dieser Markt wird erst 2003 vollständig liberalisiert sein. Während der deutsche Markt nur noch mit etwa ein Prozent wächst, rechnen die Analysten von M.M. Warburg mit etwa vier Prozent Wachstum in Spanien.

Chancen für einen Markteinstieg gibt es genug, und auch die Kriegskassen von Eon und RWE sind gefüllt - eine Übernahme müsste also nicht über Aktien finanziert werden. Erst Anfang Februar ist die geplante Fusion zwischen den beiden größten spanischen Stromversorgern Endesa und Iberdrola geplatzt.

Es gilt als sicher, dass das Fusionskarussell zu Kursschwankungen führen wird. Die Analysten der WGZ-Bank rechnen allein dadurch aber noch nicht mit neuen Impulsen für die Aktienkurse. Das Umfeld für Versorgerwerte ist wegen ihres defensiven Charakters in Zeiten sinkender Zinsen dennoch günstig. Isabelle Hayen von Goldman Sachs weist darauf hin, dass ein Engagement in Versorgeraktien das Risiko verringern kann, das mit einer Übergewichtung zyklischer Werte im Depot verbunden ist. Das zahle sich besonders dann aus, wenn sich die erwartete Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr nicht einstelle.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben