Wirtschaft : Europäischer Strommarkt: Ein Monopolist beim Strom-Shopping

Antje Sirleschtov

Ein Pariser auf Shoppingtour: Erst überraschte der französische Energiekonzern Electricité des France (EdF) damit, dass er - über die Köpfe der deutschen Marktführer hinweg - Einfluss beim Baden-Württembergischen Stromversorger EnBW erhielt. Jetzt sichert sich EdF mit der Übernahme von Edison in Italien eine strategisch gute Position in Südeuropa. Lauter kluge Schachzüge im gesamteuropäischen Strommarkt. Vor allem, weil die Liberalisierung der Energiemärkte den Unternehmen voraussichtlich nur ein kurzes Zeitfenster zum Erwerb von Beteiligungen einräumen wird. Danach werden die Märkte von Schweden über Deutschland bis nach Osteuropa verteilt sein. Wer also jetzt erfolgreich ist, da sind sich die Experten einig, der wird dies auch langfristig sein. Und EdF schickt sich an, seine Position als Nummer Eins zu verteidigen. Für Europas Politiker, allen voran die EU-Kommission in Brüssel, heißt es jetzt wachsam zu sein. Zur Liberalisierung der einstigen Monopolmärkte hat sich Europa nicht verständigt, um den Unternehmen mehr Spielraum für den Beteiligungserwerb zu bieten. Vielmehr ging - und geht es noch immer - um mehr Wettbewerb zum Nutzen der Kunden. Brüssel muss deshalb auch bei der Übernahme von Edison durch EdF prüfen, welche Auswirkungen es auf den Wettbewerb hat, wenn die Franzosen in Italien aktiv werden, den Wettbewerbern jedoch den Zugang nach Frankreich verwehren. Möglich, dass die EU-Kommission - ähnlich wie bei der Fusion von Viag und Veba zu Eon - die Übernahme mit Bedingungen zur Marktöffnung in Frankreich verknüpft.

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