Wirtschaft : Europäischer Strommarkt: Fiat und EdF übernehmen Montedison

Nach zwei Monaten Gegenwehr hat der italienische Mischkonzern Montedison seinen Widerstand gegen die feindliche Übernahme durch Fiat und den französischen Stromriesen EdF aufgegeben. "Wir haben Frieden geschlossen", sagte ein Montedison-Sprecher am Montag in Mailand. Die von Fiat und EdF zwischengeschaltete Holding Italenergia erhöhte ihr Übernahmeangebot für Montedison-Aktien auf 3,16 Euro (6,18 Mark). Während Montedison-Chef Luigi Lucchini seinen Posten verliert, sollen sein Vize Enrico Bondi und der Chef der Energie-Tochter Edison, Giulio Del Ninno, im Amt bleiben. Die Übernahme muss noch von der EU-Kommision genehmigt werden. Italenergia will dennoch schon bis zum 21. August an der Mailänder Börse den Kauf der Anteilsscheine von Montedison und Edison abwickeln. Grafik: Europäischer Strommarkt Das Kaufangebot für die Montedison-Aktie wurde von Italenergia bereits zum zweiten Mal aufgebessert. Die am Sonntag bekannt gegebene Offerte von 3,16 Euro liegt zwölf Prozent über dem ursprünglichen Angebot von 2,82 Euro, das in der vergangenen Woche bereits auf 3,07 Euro erhöht worden war. Das Kaufangebot von Italenergia für Edison-Aktien wurde nicht erhöht. Die gebotenen 11,6 Euro wurden in einer Erklärung von Edison am Montag nochmals als "unzureichend" bezeichnet, was aber die feindliche Übernahme nicht verhindern kann, da Montedison 60 Prozent der Edison-Anteile hält. Bevor Montedison sich auf eine "lange juristische Auseinandersetzung mit ungewissem Ausgang" einlasse, habe sich der Verwaltungsrat für eine friedliche Einigung mit Italenergia entschieden, sagte der Unternehmenssprecher.

Durch die Übernahme Montedisons wird der italienische Strom- und Gasmarkt neu strukturiert: Montedison hat mit seinen Stromtöchtern derzeit eine Kapazität von 6600 Megawatt, die nach der Übernahme auf 14 000 Megawatt erhöht werden soll. Das würde Italenergia den zweiten Platz hinter dem staatlichen italienischen Stromkonzern Enel sichern. Darüber hinaus planen die Gesellschafter nach Informationen der Pariser Wirtschaftszeitung "La Tribune", den Edison-Anteil am italienischen Gasmarkt von derzeit 5,3 Prozent bis zum Jahr 2008 auf 14 Prozent zu steigern.

Die EU-Kommission kann die Übernahme Montedisons durch Italenergia entweder innerhalb eines Monats genehmigen oder eine detaillierte Prüfung anordnen, die bis zu vier Monate dauern würde. Die feindliche Übernahme Montedisons war von dem staatlichen französischen Stromkonzern EdF vorbereitet worden. Ende Mai hatte EdF bekannt gegeben, bereits ein Fünftel der Montedison-Anteil zusammengekauft zu haben. Die Bemühungen Montedisons, die Übernahme zum Teil auch mit Unterstützung der italienischen Regierung zu verhindern, scheiterten an dem Bündnis von EdF mit dem Fiat-Konzern. EdF hatte in den vergangenen Jahren eine gezielte Expansionspolitik in europäischen Nachbarländern eingeleitet. In Deutschland hält der französische Stromriese 34,5 Prozent an Energie Baden-Württemberg (EnBW).

Die EU-Kommission habe Fiat und die italienischen Kartellbehörden darüber informiert, dass die Übernahme eine Konzentration von EU-weiter Bedeutung darstelle, die der Kommission in Brüssel angezeigt werden müsse, erklärte Sprecher Michael Tscherny bereits am Wochende. Insbesondere werde man die Ausdehnung von großen Unternehmen in liberalisierten Märkten untersuchen.

Der französische Staatsmonopolist EdF hatte sich bereits Anfang diesen Jahres in Italien unbeliebt gemacht, als es bekannt gab, dass der Montedison-Aktienanteil in seinem Besitz zwanzig Prozent beträgt. Der Anteil wurde daraufhin in einen 18-prozentigen Anteil an der von Fiat beherrschten Italenergia umgewandelt. Lange Zeit versuchte auch die italienische Regierung, den Einstieg der EdF in den italienischen Strommarkt zu unterbinden. Die neu gewählte Regierung von Silvio Berlusconi unterstützt hingegen die Strategie von Italenergia, wahrscheinlich, weil Berlusconi gute Kontakte zur Familie Agnelli (Fiat) besitzt.

Ein Verlierer im Ringen um die Montedison ist die italienische Bank Mediobanca. Die Bank hatte bis vor kurzem noch eine starke Kontrolle auf Montedison ausgeübt und sich lange sehr hartnäckig gegen eine Übernahme durch Italenergia geweigert. Mit der Bekanntgabe der Entscheidung sackte der Preis der Mediobanca-Aktie an der Mailänder Börse zeitweilig um bis zu 15 Prozent ab. Die Mailänder Investmentbank Mediobanca hat sich bis jetzt auf Finanz- und Industriebeteiligungen konzentriert. Montedison war dabei die größte Industriebeteiligung des Bankhauses. Insider erwarten, dass die Übernahme von Montedison durch Italenergie dazu führen wird, dass sich Mediobanca aus dem Industriegeschäft zurückziehen wird. Die wichtigste Finanzbeteiligung der Bank ist der italienische Versicherungsriese Generali. Die Investmentbank wurde unter anderem von Enrico Cuccia gegründet, der bis zu seinem Tod als strategischer Kopf des Kreditinstituts bezeichnet wurde.

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