Wirtschaft : Eurotrain soll bald in Taiwan rollen

Siemens und GEC Alsthom stellen Hochgeschwindigkeitszug vor / Erster Export der ICE-Technik HANNOVER..Die Schienenverkehrskonzerne Siemens und GEC Alsthom haben am Montag erstmals ihren gemeinsamen, für Taiwan bestimmten Hochgeschwindigkeitszug Eurotrain vorgestellt.Mit einer 70köpfigen taiwanesischen Delegation an Bord erreichte der aus deutschen ICE-Triebköpfen und französischen TGV-Wagen bestehende Zug zwischen Göttingen und Hannover eine Geschwindigkeit von über 300 Kilometern pro Stunde.Siemens und die französische GEC Alsthom erwarten aus Taiwan einen Auftrag über vier Mrd.Dollar, der im Herbst unterschriftsreif sein soll.Es wäre der erste milliardenschwere Export von ICE-Technik ins Ausland.Siemens ist an dem Joint-venture mit 40 Prozent beteiligt, GEC Alsthom hält 60 Prozent.Gemeinsam treten die Konzerne als Unterlieferant für ein taiwanesisches Konsortium auf, das die Strecke zwischen den beiden Enden der asiatischen Insel bauen und betreiben soll.Auf der 345 km langen Bahn sollen in fünf Jahren täglich 60 000 Menschen befördert werden; in Spitzenzeiten sollen es bis zu 300 000 Leute sein.In dem taiwanesischen Konsortium haben sich fünf Firmen zusammengeschlossen.Siemens und GEC Alsthom wollen sich demnächst ebenfalls mit Kapital an der Gesellschaft beteiligen.Die Deutsche Bahn AG und die französische Staatsbahn SNCF sitzen als Berater gut im Boot.Sollte der Auftrag wie geplant eingehen, hätte dies nach Angaben von Siemens-Vorstand Wolfram O.Martinsen auch positive Auswirkungen auf die Beschäftigung in der Verkehrstechnik-Sparte des Elektrokonzerns.Wieviele Mitarbeiter eingestellt werden könnten, wollte er nicht nennen.Siemens und GEC Alsthom bemühen sich ferner um Aufträge bei einer Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Peking und Shanghai.Gegenwärtig steht Siemens vor dem Abschluß eines Joint-Ventures im Lokomotivbau in China.In Australien, wo ebenfalls der Bau einer Schnellstrecke ansteht, sind die beiden Konzerne dagegen Wettbewerber.Politische Rückendeckung erhielt das deutsch-französische Gemeinschaftsunternehmen am Montag von Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt.Der Eurotrain sei "ein sichtbarer Beleg, daß europäische Unternehmen ihre Kräfte bündeln können".Der jetzt vorgestellte Zug habe seine hohe Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit bereits bewiesen.Dem europäischen Reisenden wird die unterschiedliche Herkunft der einzelnen Zugteile freilich mit einem Blick deutlich: der Übergang vom deutschen Zugkopf (ICE) auf die französischen Wagen (TGV) ist abrupt - die Höhe der Zugteile paßt nicht zusammen.Die taiwanesische Delegation zeigte sich dennoch begeistert: Ein halbes Dutzend Fernsehteams hielt die Testfahrt zwischen Göttingen und Hannover für die späteren Nutzer auf der Insel im Bild fest.JOACHIM HOFER

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