Wirtschaft : Eurotunnel meldet Passagier-Rekord

Jeder zweite Besucher vom Kontinent benutzt den Tunnel / Schwarze Zahlen erwartet
PARIS(AFP).Der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal hat im vergangenen Jahr erneut einen Milliardenverlust gemacht.Wie die Betreibergesellschaft am Mittwoch in Paris mitteilte, belief sich das Defizit im dritten Betriebsjahr auf 6,1 Mrd.Franc (knapp 1,8 Mrd.DM).Damit beträgt der Schuldenberg, den die französisch-britische Gesellschaft seit der Tunnelöffnung im Mai 1994 angehäuft hat, mittlerweile mehr als 21 Mrd.DM.Es gab aber auch gute Nachrichten: Mit 13 Millionen Passagieren erzielte Eurotunnel 1996 trotz der Beinahe-Katastrophe bei einem Brand im November einen neuen Beförderungsrekord.Nach dem Abschluß der Reparaturarbeiten soll auch der Frachtverkehr Mitte Juni diesen Jahres wieder normal laufen. Im Vergleich zu 1995 konnte Eurotunnel den Verlust um 1,1 Mrd.Franc (knapp 330 Mill.DM) verringern, was von der Börse in Paris positiv aufgenommen wurde.Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 76 Prozent auf 3,99 (Vorjahr 2,27) Mrd.Franc.Davon entfiel etwa ein Drittel auf den Frachtverkehr.Im ersten Quartal dieses Jahres ging der Umsatz dagegen auf 697 Mill.Franc um 13 Prozent zurück.Das französisch-britische Konsortium hält aber dennoch am Ziel fest, 1997 erstmals schwarze Zahlen zu schreiben. Im vergangenen Herbst hatte Eurotunnel ein Umschuldungsabkommen mit seinen 225 Gläubigerbanken erreicht.Im Gegenzug bekommen die Banken 45,5 Prozent des Kapitals.Auf diese Weise konnte ein Konkurs gerade noch vermieden werden.Die Übereinkunft muß am 24.Juni von einer außerordentlichen Aktionärsversammlung abgesegnet werden.Der Aufsichtsrat stimmte bei einer Sitzung in Folkestone am Donnerstag der Kapitalöffnung für die Banken zu, wie Eurotunnel-Präsident Patrick Ponsolle mitteilte.Die Aktionärsvereinigung Adacte lehnte dies jedoch strikt ab.Die meisten der 750 000 Kleinaktionäre haben mit der Geldanlage in das Jahrhundertbauwerk ein schlechtes Geschäft gemacht. Die Eisenbahnverbindung unter dem Meer wurde im Vergleich zum Vorjahr von fünf Millionen Passagieren mehr genutzt.Mittlerweile verläßt sich jeder zweite Reisende zwischen der britischen Insel und dem Festland nicht auf Flugzeug oder Fähre, sondern auf den 50 Kilometer langen Tunnel.Die Betreibergesellschaft hofft jetzt, daß nach dem Ende der Reparaturarbeiten in der beschädigten Tunnelröhre Mitte Mai auch der Frachtverkehr wieder anlaufen kann.Im November war auf einem Huckepackzug für Lkw ein Feuer ausgebrochen, bei dem acht Menschen Rauchvergiftungen erlitten.Derzeit läßt die Betreibergesellschaft prüfen, ob neben dem Eisenbahntunnel auch ein Straßentunnel unter dem Kanal gebaut werden sollte.Eurotunnel hatte sich 1986 verpflichtet, den Regierungen in London und Paris bis zur Jahrtausendwende einen Projektentwurf vorzulegen.

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