Evonik : Solar statt Kohle

Der RAG-Konzern heißt jetzt Evonik und will das alte Ruhrpott-Image loswerden. Der Weg an die Börse bleibt ungewiss.

Nils-Viktor Sorge
Evonik
Ein grüneres Image will sich Evonik verpassen. -Foto: ddp

Essen – Der großen Geste schickte Werner Müller trockene Worte voraus: „Unser neuer Industriekonzern, der 2008 den Schritt an den Kapitalmarkt machen wird, heißt Evonik“, brummte der Unternehmenschef gewohnt nüchtern und verschluckte den neuen Namen des RAG-Konzerns fast, anstatt ihn zu betonen. „Auch ein neuer Name ist letztlich nur ein neuer Name“, hielt sich Müller nicht lange mit Erklärungen auf, bevor Fassadenkletterer ein überdimensionales Plakat mit dem Konzernlogo an der Essener Zentrale spektakulär enthüllten.

Doch mit dem neuen Namen bricht im Ruhrgebiet eine neue Ära an. Unter dem Dach von Evonik versammeln sich die profitablen Sparten Chemie (Degussa), Energie (Steag) und Immobilien des alten RAG-Konzerns. Die traditionsreichen Namen dieser Konzernteile verschwinden. Das Unternehmen mit einem Umsatz von zuletzt 7,6 Milliarden Euro soll im kommenden Jahr etappenweise an die Börse gehen und am Ende in den Dax aufrücken.

Müller will den Konzern, der 43 000 Mitarbeiter beschäftigt, zu einem Vorreiter für energiesparende Technologie ausbauen. Dabei setzt er sowohl auf Grundstoffe für die Solarzellenindustrie und spritsparende Autoreifen, aber auch auf den weltweit boomenden Bau von Kohlekraftwerken, bei denen Evonik neue Standards für eine optimale Energieausbeute setzen will. „Wir sind kein grüner Konzern“, sagte Müller. Das Unternehmen stehe im Umweltbereich erst am Anfang seiner Möglichkeiten. Von den am stärksten wachsenden Unternehmensbereichen liegen laut Müller aber viele in den grünen Märkten.

Mit der subventionierten Steinkohle hat Evonik dann praktisch nichts mehr zu tun. Sie verbleibt bei der jüngst gegründeten RAG-Stiftung. Diese Stiftung erhält den erhofften Erlös von fünf Milliarden Euro aus dem Börsengang. Damit soll sie genügend Erträge erwirtschaften, um die langfristig etwa 8,4 Milliarden Euro teuren Folgen des Bergbaus finanzieren zu können. Dazu zählen beschädigte Häuser und das Abpumpen von Grundwasser in durch den Bergbau abgesenkten Gebieten. Diesen Plan hatte Müller gegen anfängliche Widerstände in Politik und Wirtschaft durchgesetzt. Kritiker hatten einen höheren Erlös aus dem Verkauf der einzelnen RAG-Sparten erwartet.

Der Weg aufs Parkett bleibt jedoch ungewiss, machte Müller selbst deutlich. „Wir wissen nicht, wie das Umfeld dafür nächstes Jahr ist“, dämpfte er die Erwartungen. Mit der Stiftung überlege er, eine erste Tranche einem Investor zu verkaufen. „Das könnten 25 Prozent sein“, sagte Müller. Dieser Schritt könne das Vertrauen anderer Anleger stärken, die in einem zweiten Schritt zum Zuge kämen. Wie dieses Vorgehen den Zeitplan verschöbe, wollte Müller nicht sagen.

Ausdrücklich schloss Müller keinen Investor aus und betonte mit Blick auf die Debatte um ausländische Staatsfonds, „dass wir Kapital nicht qua Herkunft von vornherein diskriminieren dürfen“. Zuletzt waren dem US-amerikanischen Finanzinvestor Cerberus sowie dem russischen Energieriesen Gasprom ein Interesse an einer Beteiligung nachgesagt worden.

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