Evonik : Vierter Anlauf an die Börse

Der Spezialchemiekonzern ist wieder auf dem Weg an den Aktienmarkt: Investoren übernehmen Anteile, der Gewinn steigt. Der Mehrheitseigentümer, die RAG-Stiftung, braucht einen Erfolg an der Börse.

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Shades of Purple. Mit magentafarbenen Aktien (der Telekom) haben Anleger Geld verloren. Jetzt geht Evonik mit etwas dunklerem Rosa-Rot an die Börse.
Shades of Purple. Mit magentafarbenen Aktien (der Telekom) haben Anleger Geld verloren. Jetzt geht Evonik mit etwas dunklerem...Foto: dpa

Die Stimmung am Aktienmarkt ist gut, die Geschäftszahlen stimmen: Evonik nutzt die Gunst der Stunde und nimmt – nach drei fehlgeschlagenen Versuchen – erneut Anlauf an die Börse. In gut sechs Wochen könnte der Spezialchemiekonzern auf dem Frankfurter Kurszettel stehen. Bis Ende April hält Konzernchef Klaus Engel eine Erstnotiz für vorstellbar, wie er am Dienstag in Essen sagte.

Eine Wachstumsstory, wie die Börse sie gerne hört, hat Engel auch zu bieten: Evonik will nach einem kräftig gestiegenen Gewinn im Geschäftsjahr 2012 wie angekündigt Milliarden in die weitere Expansion investieren und auch nach Zielen für Übernahmen Ausschau halten.

Diesmal muss es klappen: Für den Evonik-Großaktionär – die RAG-Stiftung –, an deren Spitze der frühere Bundeswirtschaftsminister Werner Müller steht, ist nur ein Börsengang akzeptabel, der Evonik reichlich Geld zufließen lässt. Als Stiftungsvorsitzender ist Müller nicht nur für die bis 2018 gestreckten Zechenstilllegungen in Deutschland verantwortlich. Er muss auch dafür sorgen, dass ein Kapitalstock aufgebaut wird, mit dem dauerhaft die Folgekosten des Steinkohlebergbaus finanziert werden können.

Um Evonik den Weg an die Börse zu ebnen, haben die RAG- Stiftung (bisher knapp 75 Prozent) und der Finanzinvestor CVC (gut 25 Prozent) – bereits jeweils einen Teil ihrer Aktien an institutionelle Investoren abgegeben. Zwölf Prozent der Anteile seien inzwischen an „gut zwei Handvoll“ großer Investoren aus aller Welt gegangen, sagte Klaus Engel. In den freien Handel sollen nur rund zwei Prozent der Evonik-Aktien kommen. Nur einen der neuen Investoren wollte Klaus Engel am Dienstag namentlich nennen: der Singapur-Staatsfonds Temasek gehöre jetzt zu den Anteilseignern. Wie viel Evonik über die Privatplatzierung eingenommen hat, sagte er nicht. In Börsenkreisen hieß es, es seien 1,7 Milliarden Euro. 300 Millionen Euro sollten über den freien Handel hinzukommen. Das entspräche einer Gesamtbewertung des Unternehmens von deutlich über 14 Milliarden Euro – etwa der Wert, den die RAG-Stiftung erreichen wollte.

Nachdem Evonik bereits drei Mal einen Börsengang angekündigt und dann wieder abgesagt hatte, ist dies nun ein Versuch durch die Hintertür: Mit der Platzierung eines Teils der Aktien bei Investoren sichert sich das Unternehmen ab. Mindestens zehn Prozent der Anteile müssen an der Börse handelbar sein („Free Float“), um eine Voraussetzung für die Aufnahme in den Dax zu erfüllen.

Evonik wirbt mit guten Zahlen: Zwar musste das Unternehmen 2012 bei Umsatz und operativem Ertrag leichte Einbußen hinnehmen, der Gewinn legte aber zu. Im vierten Quartal habe der Konzern die Konjunktureintrübung und den Lagerabbau der Kunden zu spüren bekommen, teilte Evonik mit. So sanken im Gesamtjahr die Erlöse um sechs Prozent auf 13,63 Milliarden Euro. Der operative Gewinn ging um sieben Prozent auf 1,95 Milliarden Euro zurück. Netto blieben aber mit 1,16 Milliarden Euro 15 Prozent mehr als vor Jahresfrist in der Kasse. „Evonik hat sich in einem zunehmend herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld sehr gut behauptet“, sagte Engel.

Statt Evonik war 2012 der Konkurrent und Chemiespezialist Lanxess in die erste Börsenliga, den Dax, aufgestiegen. Bei Evonik machte sich Ernüchterung breit: Das Umfeld an den Kapitalmärkten war nicht so, wie sich die Eigentümer das vorgestellt hatten. Inzwischen haben sich die Kurse erholt, vor allem Chemiewerte. Evonik hält sich für fit: Man habe die Ausrichtung auf die wachstums- und renditestarke Spezialchemie vorangetrieben, beteuert Engel. Produkte für Ernährung, Gesundheit sowie Ressourceneffizienz stehen im Fokus. Der Konzern beschäftigt weltweit 33 000 Menschen. mit dpa

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