Wirtschaft : Evotec: Umsatzsprung und Milliarden-Kauf helfen nicht

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Die Hamburger Forschungsfirma Evotec Bio-Systems hat im ersten Halbjahr einen Umsatzsprung um 186 Prozent auf 12,5 Millionen Mark verzeichnet. Der Verlust des am Neuen Markt notierten Unternehmens stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31 Prozent auf 14,6 Millionen Mark, berichtete die Evotec Bio-Systems AG am Freitag in Hamburg. Evotec begründete diesen Zuwachs mit dem Ausbau des Geschäftsbereichs Dienstleistungen und Produkte, der 1,0 Millionen Mark Umsatz im 1. Halbjahr beisteuerte, sowie mit der höheren Entwicklungsleistung. Die Evotec-Aktie büßte bis Freitagmittag im Vergleich zum Vortag 1,45 Prozent auf 75,40 Euro ein.

Das Unternehmen will für rund eine Milliarde Mark den britischen Chemiedienstleister Oxford Asymmetrie International plc(OAI) übernehmen. Die Meldung hatte die Aktie stark unter Druck gesetzt. Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) haben die Aktien nach wie vor auf "Akkumulieren" eingestuft und empfehlen den Titel damit dem langfristigen Anleger zum Kauf. "Die Übernahme der OAI ist ein großer Schritt, den wir positiv bewerten. Doch sind wir nicht sehr angetan vom Kaufpreis von rund einer Milliarde Mark", sagte Analyst Alexander Burger. Die Prämie sei "schon sehr knackig". Doch sei OAI bereits profitabel und werde dazu beitragen, auch Evotec möglichst rasch in die Gewinnzone zu führen. Evotec-Vorstandschef Karsten Henco rechtfertigt den hohen Preis für die geplante Fusion. Die Übernahme in Höhe des 13-fachen OAI-Umsatzes begründete er im Wirtschaftsmagazin "Die Telebörse" damit, dass die Investoren des britischen Unternehmens nicht ohne weiteres bereit gewesen seien, ihre Anteile zu tauschen. Zudem habe es noch weitere Interessenten für OAI gegeben. Henco kündigte weiter an, dass das Unternehmen ab 2001 auch in den USA aktiv werde. Auch ein Start an der US-Technologiebörse Nasdaq sei für das kommende Jahr vorgesehen.

Die Evotec-Übernahme von OAI bildet den vorläufigen Höhepunkt einer Serie von Akquisitionen der noch jungen deutschen Biotech-Industrie, die zuletzt zu den eifrigsten Käufern in der Branche zählten. Noch vor ihrem Börsengangs erwarb die Münchner GPC im März die amerikanische Mitotix. Gleichzeitig übernahm Morphochem ebenfalls in den USA die Small Molecule Therapeutics. Wenig später folgte Qiagen mit der Übernahme von Operon, einem Hersteller von künstlicher DNA. Ein anderes Beispiel ist der Erwerb der Impfstoff-Sparte von Green Cross durch Rhein Biotech.

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