Ewald Woste : Gasag bekommt neuen Aufsichtsratschef

Ein neuer Mann tritt an die Spitze des Aufsichtsrates der Gasag: Ewald Woste. Und mit Woste kommt kein Unbekannter an die Spree.

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Die Berufung Wostes ist eine wichtige Entscheidung für die Zukunft der Gasag.
Die Berufung Wostes ist eine wichtige Entscheidung für die Zukunft der Gasag.Foto: dpa/ Soeren Stache

Für die Zukunft der Gasag und womöglich für die Berliner Energiewirtschaft insgesamt ist eine wichtige Entscheidung gefallen: Der Energiemanager Ewald Woste soll in den Aufsichtsrat einziehen und voraussichtlich dort vom glücklosen Gerhard Jochum den Job des Vorsitzenden übernehmen. Damit wären die personalpolitischen Grundlagen gegeben für weitreichende Veränderungen in der Gasag und darüber hinaus. Die Gasag gehört dem Düsseldorfer Versorger Eon (36,85 Prozent) sowie den Staatskonzernen GDF Suez aus Frankreich und Vattenfall aus Schweden, die jeweils 31,575 Prozent besitzen. Während Eon sein Engagement bei der Gasag und überhaupt in Berlin erweitern will, erwägen GDF (die sich kürzlich in Engie umbenannt haben) und Vattenfall den Rückzug.

Ewald Woste
Ewald WosteFoto: picture alliance / dpa

Mit Woste kommt nun ein Eon-Mann in den Aufsichtsrat, dem zugetraut wird, gemeinsam mit der Gasag-Vorstandsvorsitzenden Vera Gäde-Butzlaff das Verhältnis zum Land Berlin zu entwickeln. Der Berliner Senat unter Führung Michael Müllers (SPD) hat energiewirtschaftliche Ambitionen, möchte ein Stadtwerk aufbauen und sich ferner an Energienetzen beteiligen. Das Gasnetz betreibt noch die Gasag, Strom- und Fernwärmenetz sind in der Hand von Vattenfall. Die Schweden haben aber angekündigt, ihre Geschäfte in Deutschland zu überdenken. Sie suchen einen Käufer für die Braunkohletagebaue und -kraftwerke im Lausitzer Revier, wollen das Netzgeschäft aber angeblich behalten. Für den Berliner Senat ist Vattenfall dennoch kein industrieller Partner bei der Entwicklung der hauptstädtischen Energiepolitik, da alle Entscheidungen in Stockholm getroffen werden. Eon würde Berlin besser passen.

Woste ist seit den 90er Jahren in der Energiewirtschaft

Der größte Energieversorger Deutschland spaltet sich derzeit auf und sucht neue Geschäftsfelder. Eine Schlüsselrolle könnte dabei Berlin spielen und in Berlin künftig Ewald Woste. Eon hat Woste für den Gasag-Aufsichtsrat nominiert und die Personalie mit dem Senat abgestimmt. Woste arbeitet seit Anfang der 1990er Jahre in der Energiewirtschaft. Die Stadtwerke Paderborn und Nürnberg, die Mainova in Frankfurt am Main und schließlich der Stadtwerkeverbund Thüga waren seine wichtigsten Stationen.

Vor einigen Jahren, die Thüga war damals noch Anteilseigner der Gasag, gehörte Woste schon einmal dem Aufsichtsrat des Berliner Unternehmens an. Als Präsident des Branchenverbandes BDEW setzte sich Woste einige Jahre lang für die Belange der Energiewirtschaft in der Politik ein. Kurzum: Er hat vielfältige Erfahrungen, gerade auch im Zusammenspiel mit verschiedenen politischen Ebenen und dürfte gemeinsam mit Vorstandschefin Gäde-Butzlaff und Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) eine Lösung für die Konzession des Gasnetzes und Veränderungen im Gesellschafterkreis finden. Falls Vattenfall und GDF ihre Anteile verkaufen wollen, stünden Eon und das Land Berlin bereit. Und da sich Eon mit einem Anteil von 49 Prozent zufrieden gibt, könnte das Land Berlin die Mehrheit übernehmen – so wie das die SPD fordert. Wenn es so käme, wäre auch der Rechtsstreit über die Gasnetzkonzession vom Tisch.

Gasag-Beteiligung ist weder für die Franzosen noch für die Schweden strategisch

Die knapp 32 Prozent, die GDF und Vattenfall jeweils an der Gasag halten, dürften rund 400 Millionen Euro wert sein. In der Branche gilt als sicher, dass die Franzosen verkaufen, wenn die deutsche Politik, vielleicht sogar in Person des Wirtschafts- und Energieministers und Vizekanzlers Sigmar Gabriel (SPD), mit einer entsprechenden Bitte in Paris vorstellig würde. Und Vattenfall pokert. Die Braunkohle ist nicht zu verkaufen, solange die besondere CO2-Abgabe auf Braunkohlekraftwerke droht. Vattenfall braucht aber dringend Geld, unter anderem für die viel zu teure Übernahme des niederländischen Versorgers Nuon. Die Beteiligung an der Gasag ist weder für die Franzosen noch für die Schweden ein strategisches Investment. Wenn der Senat bei der Stromnetzkonzession auf Vattenfall zuginge, würde der Konzern vermutlich seine Gasag-Beteiligung verkaufen, wird spekuliert.

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