Ex-Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt : „Die Mannschaft war ein exzellenter Botschafter“

Ex-Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt über die WM in Rio, das richtige Image und die Wechselwirkung zwischen Fußball und Wirtschaft

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Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt
Arbeitgeberpräsident Dieter HundtFoto: dpa

Herr Hundt, die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 ist Geschichte. Wie viele WM-Endspiele haben Sie live im Stadion gesehen?

Rio war mein neuntes Finale – und wahrscheinlich auch das schönste. Mit Ausnahme 1954 habe ich alle Finalspiele der deutschen Mannschaft gesehen.

Was war diesmal so besonders?

Es war ein fantastisches Erlebnis mit einer unglaublichen Stimmung. Und es war fußballerisch ein sehr, sehr gutes Finale. Ich erinnere mich an andere Spiele, die mehr als Rasenschach zelebriert wurden, beispielsweise vor vier Jahren.

Haben Sie zwischendurch Sorge gehabt, dass es nicht klappt?

Zeitweise stand das Spiel auf des Messers Schneide. Aber von der fünften Minute der Verlängerung an war ich sicher, dass wir es jetzt packen. Die Argentinier waren am Schluss platt.

Ein paar deutsche Spieler auch.

Ja, aber ich hatte das sichere Gefühl, dass da eine Einheit auf dem Platz steht. Es ist jeder für jeden gerannt. Boateng hat den Messi zugemacht und teilweise noch dem Hummels geholfen, um ein Beispiel zu nennen. Die Einstellung hat gestimmt, der Siegeswille war da und der Teamgeist hat am Ende den Ausschlag gegeben.

Sie haben einmal gesagt, „ein Zusammenhang zwischen Erfolg im Fußball und wirtschaftlicher Entwicklung ist historisch betrachtet nicht zu leugnen“. Stehen wir vor einem neuen Wirtschaftswunder?

Das wohl nicht. Aber natürlich verstärkt der WM-Titel und die Art und Weise, wie er zustande gekommen ist, die positive Stimmung in Deutschland. Und eine gute Stimmung hat Einfluss auf die Wirtschaft. Wichtig ist auch der hervorragende Eindruck, den die Mannschaft auf dieser Weltbühne hinterlassen hat – beispielsweise wie unsere Spieler die Brasilianer nach dem 7:1 getröstet haben.

Das Benehmen von ein paar Fußballern ist wichtig für den Standort Deutschland?

Ja, das ist wichtig. Gerade für uns Deutsche, die wir in der Welt ja immer wieder mal kritisch gesehen werden. Die Mannschaft hat enorme Sympathien geschaffen und war ein exzellenter Botschafter für unser Land. Vor acht Jahren waren wir ein prima Gastgeber und diesmal haben wir uns als Gast sehr gut benommen.

Hilft uns das bei der Bewerbung um die Fußball-Europameisterschaft 2024 und womöglich auch bei einer Olympiabewerbung Berlins?

Davon bin ich überzeugt. Ich bedauere sehr, dass die Bewerbung um die Winterspiele in München gescheitert ist. Das darf nicht Schule machen, denn sonst haben wir irgendwann große Sportveranstaltungen nur noch in Ländern ohne Bürgerproteste.

Es gibt eben große Vorbehalte gegen die Funktionäre in der Fifa oder beim IOC.

Das ist ja auch teilweise berechtigt, in diesen Institutionen muss organisatorisch aufgeräumt werden. Aber die Veranstaltungen selbst sollten wir nicht infrage stellen.

In zwei Jahren wird in Frankreich um die Europameisterschaft gespielt. Sind Sie wieder dabei?

Wenn der liebe Gott mir meine Gesundheit erhält, werde ich mit Sicherheit zum Endspiel dort sein. Mit dieser deutschen Mannschaft sind noch Erfolge möglich.

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