Wirtschaft : Ex-Manager von Siemens angeklagt

München – Im milliardenschweren Schmiergeldskandal bei Siemens müssen sich zwei weitere ehemalige Manager des Elektrokonzerns vor Gericht verantworten. Dabei handelt es sich um einen früheren Bereichsvorstand des Unternehmens und seinen damaligen Kollegen. Die beiden 55 Jahre alten Männer sind wegen Untreue und Beihilfe zur Bestechung angeklagt, teilte das Oberlandesgericht München am Mittwoch mit. Die ehemaligen Manager waren in der früheren Kommunikationssparte von Siemens tätig, in der der Schmiergeldskandal seinen Anfang genommen haben soll. Dem damaligen Bereichsvorstand wird unter anderem vorgeworfen, einen Untergebenen mit der Abwicklung dubioser Zahlungen beauftragt zu haben. Für den am kommenden Montag beginnenden Prozess sind zunächst drei Verhandlungstage angesetzt.

Im größten Korruptionsskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte geht es um rund 1,3 Milliarden Euro. Das Geld soll über Tarnfirmen und fingierte Beraterverträge geflossen und zur Erlangung von Auslandsaufträgen eingesetzt worden sein. Der ehemalige Bereichsvorstand soll Schmiergeldzahlungen an politische Amtsträger und Geschäftsleute in Nigeria und Russland gedeckt haben. Bereits 2008 hatte es zwei Strafprozesse gegen einen einstigen Untergebenen sowie gegen zwei Helfer gegeben, die Barauszahlungen veranlasst und das Geld weitergereicht hatten. Der frühere Bereichsvorstand ist der bisher hochrangigste Ex-Manager von Siemens, der sich vor Gericht verantworten muss. Der zweite Angeklagte, damals Leiter des Rechnungswesens der Sparte, soll ebenfalls in die Zahlungen eingeweiht gewesen sein.

Ende 2006 hatte eine Großrazzia der Staatsanwaltschaft München den Korruptionsskandal ans Licht gebracht. Das Unternehmen selbst hat die Schmiergeldaffäre bereits weitgehend hinter sich gelassen. Nach langem Tauziehen einigte sich Siemens Ende 2009 mit dem Großteil der einstigen Führungsspitze um Ex-Konzernchef Heinrich von Pierer auf Schadenersatzzahlungen in Millionenhöhe. Gegen den früheren Zentralvorstand Thomas Ganswindt erhob die Staatsanwaltschaft München dagegen Anklage, unter anderem wegen Korruption. dpa

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