Wirtschaft : Ex-Minister Müller kontrolliert die Bahn

RAG-Chef zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt/Geschäfte laufen 2005 bisher besser als im Vorjahr

Bernd Hops

Berlin - Die Deutsche Bahn hat einen neuen Chefkontrolleur. Der ehemalige Wirtschaftsminister und heutige RAG-Chef, Werner Müller, wurde am Dienstag zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt (siehe Porträt). Das teilte die Bahn am Dienstag mit. Außerdem scheint sich der Konzern deutlich zu erholen. Insbesondere der Bereich Personenverkehr habe sich in diesem Jahr sehr erfolgreich entwickelt, hieß es. Sowohl Umsatz als auch Betriebsergebnis lägen über den Zahlen des Vorjahrs. Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte aber: „Gute Umsätze dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass unsere Kosten kräftig steigen, vor allem auf dem Energiesektor.“ Der Konzern müsse da gegensteuern.

Es gebe keinen Entschluss für Preiserhöhungen, sagte Konzernsprecher Werner Klingberg dem Tagesspiegel. „Die steigenden Energiekosten sind ein ernstes Problem. Der Vorstand befasst sich regelmäßig damit.“ Die Bahn habe aber die Kunden im Blick und kalkuliere „sehr sorgfältig“. Besonders gut läuft auch die Sonderpreis-Aktion „Sommer-Spezial“ im Fernverkehr. Bisher seien 550000 Fahrten verkauft worden, sagte ein Bahnsprecher. Damit liege man über den Zahlen der bisher durchgeführten vergleichbaren Aktionen.

Laut Bahnkreisen schlagen die Energiekosten auch noch nicht massiv auf das Betriebsergebnis durch. In den ersten fünf Monaten des Jahres wurde demnach ein Gewinn eingefahren. Im Vorjahreszeitraum gab es noch ein deutliches Minus. Der Konzern wollte das weder bestätigen noch dementieren.

Der Wahl Müllers waren Querelen zwischen Mehdorn und dem bisherigen Aufsichtsratschef Michael Frenzel vorausgegangen. Der Touristikkonzern Tui, den Frenzel leitet, hatte jüngst seine Tochter VTG, den größten privaten Vermieter von Kesselwagen in Europa, verkauft. Die Bahn hatte mitgeboten. Den Zuschlag bekam aber eine französische Investorengruppe. Die Bahn hatte danach eine schlechte Abstimmung beklagt. Frenzel hatte daraufhin auf eine erneute Kandidatur für den Aufsichtsrat verzichtet.

Der Chef der Verkehrsgewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, sagte zur Wahl Müllers: „Das ist eine solide Entscheidung.“ Hansen, der stellvertretender Aufsichtsratschef der Bahn ist, forderte allerdings ein „klares Bekenntnis zum integrierten Bahnkonzern“ – also gegen die von Union und FDP angestrebte Trennung von Netz und Betrieb.

Kritik kam von der Opposition und den Grünen. Georg Brunnhuber, Verkehrsexperte der Union, sagte dem Tagesspiegel, er halte Müller als Person für integer. Es gebe aber Zweifel daran, ob Müller auf Grund seiner bisherigen Tätigkeit für die Position des Bahn-Aufsichtsratschefs die nötigen Fähigkeiten hat. Müller sei kein Verkehrsexperte. „Bilanzen lesen können viele. Wer sich aber mit den bahnspezifischen Problemen nicht auskennt, der tut sich sehr schwer“, sagte Brunnhuber. Deshalb sei man von der Entscheidung für Müller enttäuscht. Man hätte auch bis nach den voraussichtlichen Neuwahlen mit der Neubesetzung der Aufsichtsratsspitze warten können. Die Union werde aber nach einem Wahlsieg nicht die schnelle Ablösung Müllers anstreben. „In die Bahn muss erst mal Ruhe rein.“ Der Grünen-Verkehrsexperte Albert Schmidt wiederum kritisierte, dass Müller wie Mehdorn Kanzler Gerhard Schröder (SPD) sehr nahe stehe. Über die Verbindung zu Schröder habe Mehdorn auch die Ablösung Frenzels erreicht. Das zeige die geringe Macht des Bahnaufsichtsrats.

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Uwe Beckmeyer, wies die Kritik zurück. Müller sei nicht Mitglied der SPD. „Außerdem braucht die Bahn an der Spitze ihres Aufsichtsrats – unabhängig von der politischen Gefechtslage – eine Person, die ökonomisch tickt und auf gleicher Augenhöhe mit Mehdorn steht.“ Beides treffe auf Müller zu, sagte Beckmeyer dem Tagesspiegel.

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