Ex-Porsche-Chef : Freispruch für Wiedeking gefordert

Im Strafprozess gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wegen Marktmanipulation beim Übernahmepoker um Volkswagen hat die Verteidigung auf Freispruch plädiert. Am Freitag fällt das Urteil.

Dem ehemaligen Vorstandsvorsitzende von Porsche, Wendelin Wiedeking (M), wird im Zusammenhang mit der geplanten aber gescheiterten Übernahme von VW Marktmanipulation vorgeworfen.
Dem ehemaligen Vorstandsvorsitzende von Porsche, Wendelin Wiedeking (M), wird im Zusammenhang mit der geplanten aber gescheiterten...Foto: dpa

Im Strafprozess gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wegen Marktmanipulation beim Übernahmepoker um Volkswagen hat die Verteidigung auf Freispruch plädiert. "Es gab keinen geheimen Plan, den Kurs hochzujubeln, um anschließend Kasse zu machen", sagte Wiedekings Verteidiger Walther Graf am Montag vor dem Landgericht Stuttgart. Die Verhandlung habe mit zahlreichen Zeugenaussagen und einem Gutachten die Unschuld Wiedekings bewiesen. "Deshalb wird beantragt, ihn von allen Vorwürfen freizusprechen", forderte Graf.

Das Urteil soll am Freitag fallen. Die Staatsanwaltschaft hingegen hatte Freiheitsstrafen und Geldbußen für Wiedeking und den früheren Porsche-Finanzchef Holger Härter gefordert. Der ehemalige Porsche-Chef soll nach ihrem Willen zweieinhalb Jahre ins Gefängnis gehen. Die Strafverfolger sehen es als erwiesen an, dass die beiden 2008 mit unrichtigen öffentlichen Aussagen Anleger täuschten und den VW-Aktienkurs manipulierten.

Milliardenverlust für Investoren

In dem seit Oktober laufenden Prozess geht es um den letztlich gescheiterten Versuch der Porsche SE, den viel größeren Volkswagen-Konzern zu übernehmen. Von März bis Oktober 2008 hatte Porsche diese Absicht dementiert, am 26. Oktober den Plan aber offen gelegt und erklärt, mit Aktien und Optionen Zugriff auf gut 74 Prozent der VW-Aktien zu haben. Daraufhin schnellte der Kurs in schwindelnde Höhen vom mehr als 1000 Euro. Anleger, vor allem Hedgefonds, die auf sinkende Kurse gewettet hatten, erlitten Milliardenverluste und klagen noch heute auf Schadensersatz.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatten Wiedeking und Härter spätestens im März die VW-Übernahme beschlossen - jedoch verdeckt, weshalb es dafür keine Zeugen und schriftliche Beweise gebe. Die Ankläger argumentierten, die milliardenschweren Optionsgeschäfte mit VW-Aktien und Kreditlinien hätten den Finanzbedarf der zunächst nur angestrebten Aufstockung von 30 auf 51 Prozent überstiegen.

Wiedeking-Verteidiger widerspricht den Anklägern

Die Porsche SE hätte durch die Kurskapriolen der VW-Aktien im Oktober vor Milliardenverlusten gestanden, die die Angeklagten mit der Offenlegung ihrer Positionen am letzten Sonntag des Monats verhindern wollten. Wiedekings Verteidiger warf der Staatsanwaltschaft vor, dies sei eine frei erfundene Geschichte, die durch nichts zu beweisen sei. Verluste hätten gar nicht gedroht, da vor dem 26. Oktober mehr als drei Milliarden Euro Liquidität verfügbar gewesen wären. Die Porsche SE habe damals ihre Position nur offen gelegt, um weitere Kursverwerfungen zu verhindern.

Härters Verteidigerin Anne Wehnert erklärte, die Staatsanwaltschaft habe sich grob verrechnet und willkürlich nur einen kurzen Zeitraum der Kursentwicklung herausgepickt. Porsche drohte kein Verlust von 14 Milliarden Euro, sondern nur von 193 Millionen Euro. Und auch der habe nur auf dem Papier gestanden.

Scharfe Rhetorik vor Prozess-Finale

Zum Finale des 20 Verhandlungstage langen Prozesses, dem sieben Jahre Ermittlungen und Vorverfahren vorangegangen waren, fochten Ankläger und Verteidiger mit scharfer Rhetorik. Staatsanwalt Heiko Wagenpfeil hatte Wiedeking und Härter des Lügens bezichtigt und ihnen "Kaltschnäuzigkeit und kriminelle Energie" bescheinigt. Die Verteidiger feuerten nun eine Salve von Vorwürfen auf die Strafverfolger ab: Wagenpfeil habe eine blühende Ermittlerphantasie, agiere mit juristischem Infantilismus wie ein Krimiautor, greife zu billigen Tricks und ziehe daraus unseriöse, abwegige, groteske Schlüsse. Der so Gescholtene erklärte, derart scharfe Kritik sei das Recht der Verteidigung. "Das prallt an der Robe ab." rtr

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