Ex-Porsche-Chef : Staatsanwalt weitet Ermittlungen gegen Wiedeking aus

Ex-Porsche-Chef Wiedeking soll nicht nur den VW-Aktienkurs manipuliert, sondern auch die eigenen Aktionäre getäuscht haben: Tagelang habe er seinen Abgang verheimlicht.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt nach Informationen der Süddeutschen Zeitung in noch größerem Umfang als bislang bekannt gegen den ehemaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Er soll der Börse und damit den eigenen Kleinaktionären den Vorstandswechsel tagelang verheimlicht und damit gegen das Gesetz verstoßen haben.

Wiedeking und der damalige Finanzchef Holger Härter mussten am Morgen des 23. Juli, nach einer nächtlichen Aufsichtsratssitzung am Ende des Übernahmekampfes mit Volkswagen (VW), ihre Posten räumen. Wiedeking wurde dabei durch Porsche-Produktionschef Michael Macht ersetzt.

Bereits sechs Tage zuvor hatten zunächst Der Spiegel und dann weitere Medien berichtet, dass die Ablösung des langjährigen Porsche-Chefs beschlossene Sache sei und er durch Macht ersetzt würde. Wie die Zeitungen damals schrieben, hätten sich die beiden Großaktionäre des Stuttgarter Autoherstellers, die Familien Porsche und Piëch, darauf geeinigt.

Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens, hatte die Meldungen umgehend dementiert. Allerdings soll er nach Berichten von Wiedekings Stuttgarter Anwalt bereits "im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung" dem Konzernchef eine Abfindung in Höhe von 140 Millionen Euro angeboten haben. Wiedeking habe diesen Betrag akzeptiert und zwar unter dem Vorbehalt, dass die Kontrolleure ihn nicht länger an der Vorstandsspitze halten wollen.

Von dieser Abmachung hatten die Kleinaktionäre zu diesem Zeitpunkt, also noch vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung, nichts erfahren. Laut Gesetz müssen jedoch Informationen, die für den Aktienkurs bedeutsam sind, sofort in einer Ad-hoc-Mitteilung veröffentlicht werden.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wollte sich zu dem Bericht nicht äußern und erklärte, dass die entsprechenden Ermittlungen noch andauerten. Allerdings sei "ein Ende der Ermittlungen derzeit nicht absehbar", zitiert die Süddeutsche die Staatsanwaltschaft.

Porsche und Wiedeking weisen alle Vorwürfe zurück. Das Blatt zitiert Wiedekings Anwalt Hanns Feigen, wonach dessen Mandant sämtliche Vorwürfe als unbegründet zurückweise. Auch ein von dem Autobauer eingeschalteter Jurist komme laut Süddeutscher in einem Gutachten zu dem Ergebnis, an den Vorwürfen sei nichts dran. Noch bis zum Tag seiner tatsächlichen Auswechslung habe Wiedeking dafür gekämpft, VW zu übernehmen.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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