Wirtschaft : Ex-Treuhand-Chefin hielt die Vulkan-Werft für seriös

Eckhard Stengel

Die frühere Chefin der Treuhand-Anstalt, Birgit Breuel, hat in ihrer Amtszeit keine Hinweise auf Missbrauch von Fördermitteln bei der Bremer-Vulkan-Verbund AG bekommen. Vor dem Bremer Landgericht sagte Breuel am Montag als Zeugin im Vulkan-Verfahren, der Konzern sei bei der schwierigen Privatisierung ehemaliger DDR-Werften intakt und als "besonders günstiger Kaufinteressent" erschienen.

Ihre Behörde habe beim Verkauf der ostdeutschen Werften an den Konzern 1992/93 keinen Anlass gesehen, an dessen Vertragstreue und Bonität zu zweifeln. Die Treuhand habe zwar vorsorglich Bankbürgschaften für die in der Bremer Zentrale angelegten Ost-Gelder verlangt, habe dies aber nicht durchsetzen können.

In dem Bremer Strafprozess müssen sich der ehemalige Vulkan-Chef Friedrich Hennemann und drei weitere Ex-Vorstandsmitglieder des zusammengebrochenen Konzerns wegen Untreue verantworten. Den angeklagten Managern wird vorgeworfen, 854 Millionen Mark Treuhand-Beihilfen für die Ostsee-Werften unwiederbringlich für in Not geratene Vulkan-Töchter im Westen zweckentfremdet zu haben.

Breuel sagte weiter, die Berliner Treuhandanstalt habe keine Bedenken gehabt, dass der Bremer-Vulkan-Verbund Subventionen für ostdeutsche Konzerntöchter vorübergehend im zentralen Cash Management anlegte, solange bei Bedarf die "jederzeitige Rückführbarkeit gesichert" war. Auf Nachfragen schränkte die 62-jährige heutige Geschäftsführerin der "Expo 2000" allerdings ein, die im Westen geparkten Gelder hätten nicht ständig verfügbar sein müssen, sondern nur zu den Investitionsterminen im Osten, zu denen sich der Vulkan vertraglich verpflichtet hatte.

Hennemann-Verteidiger Hanns Feigen sagte, Breuel habe "eindrucksvoll" die Auffassung der Anklage widerlegt, dass der Konzern die Ost-Gelder ständig habe bereit halten müssen. Staatsanwalt Burkhard Quick wollte die Zeugenaussage dagegen nicht bewerten.

Breuel sah nach eigener Aussage 1993 keinen Anlass zum Einschreiten, als das beim Vulkan ausgestiegene Vorstandsmitglied Manfred Timmermann in Berlin auf Finanzprobleme des Konzerns hingewiesen hatte. Dies seien nur "diffuse Sorgen" und keine konkreten Fakten gewesen, meinte die Zeugin. Kurz vor Ablauf ihrer Amtszeit Ende 1994 habe sie den Eindruck gehabt, dass der Werftenverbund sich auf gutem Wege befinde. Um so mehr sei sie dann von dessen Niedergang 1995/96 "schockiert" gewesen. Wenn sie schon als Treuhand-Chefin gewusst hätte, dass die Ost-Subventionen für "Risikogeschäfte" im Westen verwendet würden, dann wäre sie "im Quadrat gesprungen", sagte Breuel vor Gericht. "Das Geld war immer nur für die Ost-Werften, für sonst niemanden."

Die Bremer Staatsanwaltschaft ermittelt noch immer gegen Treuhand-Mitarbeiter, weil ihnen möglicherweise eine Mitschuld am Versickern der Millionenbeihilfen anzulasten sei. Ein entsprechendes Verfahren gegen Breuel wurde dagegen kurz vor ihrem Prozessauftritt eingestellt.

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