Wirtschaft : Ex-Volksbanker findet eine neue Aufgabe bei Semperlux

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Für den Prozessbeginn steht noch kein Termin festdr

Offiziell wollte die Semperlux AG, Berlin, den versammelten Journalisten am Montag über die Entwicklung eines Sonnenlicht-Leitsystem zur Beleuchtung von Innenräumen berichten - die Personalie war erst zum Schluss der Pressekonferenz und eher als Nebensächlichkeit vorgesehen. Aber für dieses Procedere ist die Person, um die es schließlich ging, zu bekannt in der Stadt. Ulrich Misgeld, Ex-Vorstandssprecher der Berliner Volksbank, kehrt in das Licht der Berliner Industrie und der Öffentlichkeit zurück. Zum 1. Januar wird Misgeld Vorstand bei Semperlux. Misgeld war im Juni dieses Jahres als Vorstandssprecher der Berliner Volksbank zurückgetreten, nachdem die Staatsanwaltschaft gegen ihn und andere Manager der alten Berliner Volksbank Anklage wegen gemeinschaftlichen Betrugs und Untreue erhoben hatte und er zwischenzeitlich sogar in Untersuchungshaft gesessen hatte.

Die Bank soll der zwischenzeitlich liquidierten Euwo-Bauträger-Gruppe ermöglicht haben, Anleger für die Zeichnung von Immobilienfonds zu gewinnen. Dabei sollen Miet-, Fertigstellungs- und Festpreisgarantien versprochen worden sein, ohne dass Euwo über die dafür erforderliche finanzielle Grundlage verfügte. Misgeld hat die Vorwürfe stets energisch zurück gewiesen und von einem normalen Kreditgeschäft mit Euwo gesprochen. Der Prozess soll voraussichtlich im kommenden Sommer beginnen.

Misgeld soll zu der Familie Bansbach, der Semperlux-Eigentümerin, bereits seit Jahrzehnten Kontakt haben und das Unternehmen 1991 bei seinem Wechsel von der Deutschen Bank zur Berliner Volksbank "mitgebracht haben". Zuletzt saß Misgeld im Aufsichtsrat von Semperlux. Nun sitzen in dem Gremium noch Wirtschaftsprüfer Wolfgang Jahke als Vorsitzender, Professor Peter Marx von der Technischen Fachhochschule in Berlin und Christian Lewandowski, Mitglied der Geschäftsführung bei der Gegenbauer-Gruppe.

Den Vorstand von Semperlux bilden Armin und Udo Bansbach, denen das Unternehmen auch zu je 50 Prozent gehört. Armin Bansbach fungiert als Vorsitzender. Seit 45 Jahren ist er in dem vom Vater 1948 gegründeten Unternehmen tätig und zeichnet verantwortlich für die allgemeine Geschäftspolitik, Organisation sowie das Finanz- und Rechnungswesen. Mit seinen nun 65 Jahren will Armin Bansbach nun langsam etwas kürzer treten. Da bot sich Aufsichtsratsmitglied Misgeld geradezu an. Armin Bansbach sieht alle Chancen für eine fruchbare Zusammenarbeit und betonte denn auch am Montag, dass er keinerlei Zweifel an der persönlichen Integrität von Ulrich Misgeld habe und davon ausgehe, dass sich alle Vorwürfe gegen das neue Vorstandsmitglied bald in Luft auflösen würden. Querschüsse aus der Familie Bansbach braucht Misgeld nicht zu fürchten. "Die Aktien sind alle in einer Kommanditgesellschaft zusammengefasst. Semperlux spricht mit einer Stimme - mit meiner", sagt Bansbach lachend.

Das Inhaber-geführte mittelständische Familienunternehmen versteht seine Aufgabe laut eigener Aussage in der Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Lösungen und Produkten für die Beleuchtung von Bauten im In- und Ausland. Die Reihe der Referenzprojekte, die Armin Bansbach nannte, war lang: Die DaimlerChrysler-City und das Sony-Center am Potsdamer Platz, das Bundeskanzleramt und das Jüdische Museum in Berlin. Wer die Gebäude nicht betreten will, sieht Laternen und Kandelaber von Semperlux beispielsweise an der Straße des 17. Juni, Unter den Linden, am Kurfürstendamm oder am Autobahnring in Moskau.

Der Ex-Banker wird künftig für den kaufmännischen Bereich verantwortlich sein und soll mithelfen, die Umsatzrendite bei Semperlux zu erhöhen. Diese liegt nämlich, so Armin Bansbach, derzeit nur bei einem Prozent. Sie soll in den kommenden Jahren deutlich gesteigert werden und Bansbach sieht auch schon Möglichkeiten, die Kosten um ein bis zwei Prozent zu senken. Die Arbeitsplätze aber will er erhalten.

Gegenwärtig beschäftigt die Gruppe 427 Mitarbeiter, davon 340 in Deutschland und 200 in Berlin sowie in Brandenburg 60. Der konsolidierte Weltumsatz lag im vergangenen Jahr bei 103 Millionen Mark und soll im laufenden Jahr wieder über 100 Millionen Mark liegen. 43 Prozent des Umsatzes entfallen auf technische Innenleuchten sowie etwa 40 Prozent auf Außenleuchten wie Laternen oder Kandelaber.

Für die Zukunft ist Armin Bansbach nicht bange. Zwischen 1993 und 1995 hat Semperlux in Berlin und Brandenburg rund 25 Millionen Mark investiert. In diesem und im kommenden Jahr werden es zwei Millionen Markt für neue Hard- und Software sein. Für ein neues Werk in Frankreich sind rund vier Millionen eingeplant. In den USA und England sollen neue Betriebsstätten errichtet werden.

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