Wirtschaft : Existenz-Gründertage: Ein Lauf mit Hindernissen

Harald Olkus,Roland Koch

Die Rahmenbedingungen dürften nicht zu den schlechtesten zählen. Um die Klippen einer Geschäftsgründung zu umsegeln, finden Existenzgründer in Deutschland gute Bedingungen vor: qualifizierte Fachkräfte, eine gute Infrastruktur, zahlreiche Fördermöglichkeiten etwa. Das zumindest konstatiert Wolfgang Branoner, der Berliner Wirtschaftssenator, immer wieder. Die Deutschen Existenzgründertage, die von heute an für drei Tage in den Messehallen stattfinden, sind ein weiteres Informations- und Kontaktforum. Hier treffen sich Gründer, Berater, Geldgeber und viele andere aus der Szene. Wer sich mit dem Gedanken an die Selbstständigkeit trägt, findet hier eine Anlaufstelle. Doch trotz Information stehen Gründer im Alltag häufig vor Problemen wie eh und je, allen voran die Finanzierung.

Mindestens drei Dinge braucht man für eine Existenzgründung auf jeden Fall: eine gute Geschäftsidee, den Mut zum Sprung ins kalte Wasser und eine Finanzierungsmöglichkeit. Sind die ersten beiden Kriterien erfüllt, eine satte Erbschaft aber ausgeblieben, steht ein Jungunternehmer also vor der Frage, ob er es mit der Beteiligung einer Venture Capital-Gesellschaft versucht, sich um einen Bankkredit bemüht oder ob er sich um Gelder kümmern soll, die durch Förderprogramme bereit gestellt werden.

Dabei bestimmt die Geschäftsidee die Entscheidung über die Art der Finanzierung meist selbst. Um einen Wagniskapitalgeber zu überzeugen, braucht man einen guten Businessplan und ein Produkt, das große Absatzraten verspricht. Denn obwohl die Venture Capital-Firmen das Wagnis im Namen tragen, versuchen sie, das Risiko gering zu halten - die Krise am Neuen Markt hat die Geldgeber der schnell wachsenden Start-Ups vorsichtiger werden lassen.

Die Objekte der Begierde für Wagniskapitalgeber sind junge Firmen mit einer starken Geschäftsidee, die sich im großen Stil vermarkten lässt. Wer sich darauf einlässt, begibt sich in eine Art Durchlauferhitzer. Die Geschäftsentwicklung wird beschleunigt, der Erfolgsdruck steigt. Für die Unterstützung durch eine Wagniskapital-Firma muss der junge Unternehmer einen hohen Preis zahlen. Denn die Beteiligung kostet die Unabhängigkeit. Der Firmeneigner muss dem Kapitalgeber eine Beteiligung an seiner Firma einräumen, üblich sind 30 Prozent. Damit nehmen die neuen Teilhaber auch Einfluss auf die Firmenpolitik.

Um die Chancen zu optimieren, die investierte Summe möglichst samt einer satten Rendite zurückzuerhalten, bringen die Venture-Capitalisten nicht nur Geld, sondern auch umfangreiche Beratungsleistungen mit ein. "Denn meistens haben die Gründer eine starke Idee und viel technisches Know-how. Doch bei den kaufmännischen Kenntnissen hapert es", sagt Joachim Scholz vom Wagniskapitalgeber MyQube.

Im Schnitt investieren die Gesellschaften etwa drei Millionen Mark in ein Unternehmen. Damit muss die Geschäftsidee so schnell wie möglich zur Produktionsreife und auf den Markt gebracht werden. Denn, so die Befürchtung der Kapitalgeber, schließlich könnte der günstigste Zeitpunkt für die Produkteinführung verpasst werden oder ein anderes Unternehmen könnte ein ähnliches Erzeugnis auf den Markt bringen und die Absatzchancen schmälern. Die Firma muss deshalb schnell wachsen wollen und bereit sein, sich innerhalb weniger Jahre auf den Börsengang vorzubereiten. Durch den Verkauf der Anteile will der Geldgeber in der Regel nach einigen Jahren seine Investition zurückerhalten.

Etwa die Hälfte der Geschäftspläne von Gründern ist auf eine Finanzierung durch Venture-Kapital ausgerichtet, doch nur rund 1,5 Prozent der Bewerber werden angenommen. Im Geschäftsjahr 1999 haben die rund 150 Venture Capital-Gesellschaften hierzulande etwa 2000 Beteiligungen abgeschlossen - bei insgesamt 500 000 Gewerbeanmeldungen im gleichen Zeitraum.

Also bleibt für viele Gründer doch die Bank die erste Adresse. Während die Finanzspritzen von Wagniskapitalgebern das Eigenkapital der Firma aufstocken und somit auch Anlaufverluste möglich sind, muss das Unternehmen bei einem Bankkredit jedoch in der Regel von Beginn an schwarze Zahlen schreiben. Zumindest eine schwarze Null. Dafür bietet die Bank günstige Konditionen an und das Vorhaben ist mit durchschnittlichen Renditen finanzierbar, ohne dass Geschäftsanteile abgegeben werden müssen. Allerdings muss ein Firmengründer in der Regel die volle Haftung für das aufgenommene Geld übernehmen und mindestens 15 Prozent eigene Mittel einbringen.

Eine weitere Finanzierungsquelle sind verschiedene Förderprogramme und das Aufstocken des Eigenkapitals mit Hilfe von privaten Beteiligungsgebern wie den Business Angels, Technologiebeteiligungsprogrammen oder Eigenkapitalhilfen der Deutschen Ausgleichsbank (DtA), Beihilfen der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft oder öffentlichen Zuschüssen. Bund und Länder sowie eine ganze Reihe von öffentlichen Anstalten und Banken haben Förderprogramme aufgelegt. Doch wer sich auf diesen Weg begibt braucht manchmal einen langen Atem: Allein das Informationspaket, das das Bundeswirtschaftsministerium für den Weg in die Selbstständigkeit anbietet, wiegt über drei Kilo.

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