Wirtschaft : Existenzgründungen: Frauen gründen viel seltener als Männer

sam

Wenn in Deutschland ein Unternehmen gegründet wird, sitzt meist ein Mann auf dem Chefsessel: Auf vier männliche Existenzgründer kommt nur eine Frau, die den Schritt in die Selbständigkeit wagt. In den USA dagegen ist das Verhältnis fast ausgeglichen. Hier zu Lande führen 980 000 Frauen ein Unternehmen, sie stellen damit allerdings nur knapp 30 Prozent aller Firmenchefs.

Das soll sich ändern, geht es nach der Deutschen Ausgleichsbank (DtA). "Wir wollen gezielt unternehmerisches Denken und Handeln von Frauen fördern", sagte Michael Bornmann, Vorstandsmitglied der DtA, beim Forum "Wirtschaftsfaktor Unternehmerin". Der Grund dafür liege auf der Hand: Existenzgründungen seien wichtig für das Wachstum einer Volkswirtschaft. "Die Zahl der Existenzgründungen ließe sich durch eine Steigerung der Gründungsquote von Frauen anheben", betonte Bornmann.

Warum viel weniger Frauen als Männer ein Unternehmen gründen, hat Margarita Tchouvakhina von der DtA in zwei Studien untersucht. Ein Hauptproblem beim Schritt in die Selbständigkeit sei für Frauen die Doppelbelastung durch Familie und Beruf, sagte sie: "Unternehmer haben oft die Familie im Rücken, Unternehmerinnen haben sie meist im Nacken." Außerdem würden Frauen im Geschäftsleben weniger ernst genommen als Männer. Das spiele vor allem bei der Vergabe von Krediten eine Rolle. Ansonsten haben Frauen und Männer bei der Existenzgründung die gleichen Probleme, fand Tchouvakhina heraus. Die größten Schwierigkeiten für beide seien bürokratische Hürden und Finanzierungsprobleme.

Neben finanzieller Unterstützung sei vor allem maßgeschneiderte Beratung wichtig, um die Probleme zu lösen, betonte Tchouvakhina. Außerdem müssten Existenzgründerinnen besser qualifiziert werden. Dabei spielten Gründerlehrstühle an Hochschulen eine wichtige Rolle. Auch die Gründerinnen-Netzwerke müssten ausgebaut werden. Das sei jedoch nicht alles, meinte Tchouvakhina: "Vor allem müssen die Gründerinnen selbst mehr Mut und Initiative beweisen."

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