Expansion : Aldi hat Probleme in Polen

Polen scheint für Aldi kein gutes Pflaster zu sein. Schon der Start des deutschen Discounters vor einem Jahr war von Problemen überschattet. Die Expansion kommt nicht voran – die Konkurrenz scheint unerreichbar.

Knut Krohn
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Nachzügler. Erst seit 2008 gibt es Aldi in Polen – da war Lidl längst vor Ort. Foto: ddpddp

WarschauDie Eröffnung der ersten sieben Filialen in Westpolen verzögerte sich, da offenbar die Konzession zum Verkauf von Alkohol nicht rechtzeitig ausgestellt worden war. Nun berichtet die Tageszeitung „Rzeczpospolita“, dass Aldi seine ehrgeizigen Expansionspläne nicht umsetzen könne. Zwölf Monate nach dem Markteintritt verfüge das Unternehmen nur über etwa 20 Supermärkte. Zum Vergleich: Der Marktführer Biedronki betreibt in Polen mehr als 1100 Filialen und die deutsche Konkurrenz von Lidl immerhin 285. Langfristiges Ziel von Aldi sei es, mit Biedronki gleichzuziehen.

Aldi selbst schweigt. Kein Kommentar zum Stand der Dinge in Polen, nicht einmal die genau Zahl der Filialen will man preisgeben. Umso beredter ist die Konkurrenz des Discounters, die über die Probleme des mächtigen Konkurrenten spekuliert – allerdings nur hinter vorgehaltener Hand. Kein Zweifel besteht darin, dass Aldi auch außerhalb Deutschlands einen guten Namen hat: Gute Qualität und niedrige Preise assoziieren auch die Polen mit den Märkten.

Insider erklären, dass der Discounter von Anfang an mit einem zentralen Problem zu kämpfen hatte: Der Umsatz war zu gering, um die Produzenten durch den Kauf großer Warenmengen zu hohen Rabatten zu bewegen. Zudem mache Aldi den gleichen Fehler wie der Konkurrent Biedronki vor einigen Jahren. Der Discounter verkauft nur Produkte hauseigener Marken. Die polnischen Kunden möchten aber auch ihnen bekannte Waren in den Regalen finden. Biedronki nahm damals einige bekannte Fremdprodukte in das Sortiment auf und fand sich danach auf Wachstumskurs wieder. Ein weiterer Grund für die stockende Expansion, so wird vermutet, ist die Wirtschaftskrise in Deutschland. In der Essener Konzernzentrale sei man im Moment wohl nicht bereit, mehr Geld in den Ausbau zu stecken.

Lange hatte der gesamte Einzelhandel in Polen vom soliden Wirtschaftswachstum profitiert, das stabil über fünf Prozent lag. Gleichzeitig sank die Arbeitslosigkeit, und die Löhne in den meisten Bereichen stiegen rapide. Aldis Aufritt auf diesem wachsenden Markt war nur eine Frage der Zeit – allerdings war vielen Experten schleierhaft, warum der Konzern dann erst 2008 den Schritt nach Polen wagte. Branchenexperten halten das Zögern für Strategie. Der Discounter warte, bis die Pro-Kopf-Ausgaben der Polen für Lebensmittel bei mehr als 1500 Euro im Jahr liegen – das ist nun offenbar der Fall.

Gleichwohl gilt es trotz der Misserfolge als unwahrscheinlich, dass sich Aldi wieder zurückzieht. Trotz der Krise trauen Branchenexperten Discountern in Polen ein Wachstum zu, das weit über dem europäischen Durchschnitt liegt. Diese Chance wird sich Aldi kaum entgehen lassen.

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