Wirtschaft : Expansion und gute Geschäfte mit Fachbüchern, ein Börsengang ist nicht ausgeschlossen

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Von den großen Mitbewerbern wie Reuters oder ReedElsevier mit jeweils mehr als 8,5 Milliarden Mark Umsatz ist der im Januar 1999 gegründete deutsche Verlag BertelsmannSpringer nach eigener Aussage noch Lichtjahre entfernt. Dennoch will Geschäftsführer Jürgen Richter die neu formierte Gruppe wenigstens in Teilbereichen künftig zum Marktführer machen. Auf der ersten Wirtschaftspressekonferenz des Konzerns sagte Richter am Dienstag in Berlin, die Expansionspläne des Verlages seien auf einen Weltmarkt gerichtet, der inzwischen etwa 190 Milliarden Mark umfasse.

Am stärksten vertreten ist die Fachbuchbranche in den USA. Hier will Bertelsmann-

Springer besonders kräftig zulegen, um den eigenen Umsatz von jetzt 909 Millionen Mark bereits im Geschäftsjahr 1999/2000 (30. Juni) auf 1,5 Milliarden Mark zu steigern. Um auf Wachstumskurs zu bleiben, halte sich das Unternehmen die Option eines Börsengangs offen, sagte Richter.

Die Struktur der neuen Verlagsehe mit zur Zeit 5000 Mitarbeitern, der die Übernahme von 86,5 Prozent des Springerverlags durch die Bertelsmann Fachinformation vorausgegangen war, beruht auf zwei starken Säulen. Der erste große Geschäftsbereich umfasst die Sachgebiete Wissenschaft, Technologie und Medizin. Hierher gehören bekannte Konzernverlage wie Birkhäuser, Steinkopff, Urban & Vogel, Gabler oder Viehweg. Die zweite Säule nannte Richter den sogenannten Bussiness-to-Bussiness-Bereich. Unter diesem Dach sollen die in- und ausländischen Bau- und Verkehrsverlage organisiert werden.

Bei seinen ehrgeizigen Expansionsplänen setzt der Geschäftsführer nicht zuletzt auf die internationalen Erfahrungen Springers als Wissenschaftsverlag. Mehr als 120 Nobelpreisträger hätten bisher bei Springer publiziert, sagte Richter. Jährlich würden 2000 Buchtitel neu herausgegeben und rund 500 Fachzeitschriften verlegt. Tochtergesellschaften und Verlage in London, Barcelona, Mailand, Paris, Tokio, Hongkong oder Singapur seien eine gute Ausgangsbasis für den weiteren Ausbau. Berlin soll im Konzerngefüge künftig eine größere Rolle spielen. Noch in der ersten Hälfte des Jahres 2000 werde die Zentrale des Unternehmens als künftige Stabsstelle von München in die Hauptstadt verlegt, sagte Richter, der damit den Stellenwert Berlins unterstreichen möchte.

Als Betriebsergebnis weist BertelsmannSpringer vor Zinsen und Firmenwertabschreibung 72 Millionen Mark und als Ergebnis 19 Millionen Mark aus. Das operative Betriebsergebnis soll in weniger als fünf Jahren auf 200 Millionen DM steigen, sagte Geschäftsführer Arnold Kiel.

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