Wirtschaft : Experten erwarten großen Zinsschritt der US-Notenbank

bfr

Mit einer weiteren Anhebung der US-Leitzinsen rechnen Fachleute am heutigen Dienstag. Die starke Konjunktur und die gestiegene Inflationsgefahr lassen der US-Notenbank auf der heutigen Sitzung ihres Offenmarktausschusses kaum eine andere Wahl. Einen Beleg für das kräftige Wirtschaftswachstum und eine Bestätigung der Zinserwartungen lieferte am Montag die Zentralbank (Fed) selbst: Sie gab bekannt, dass im April die Industrieproduktion in den USA gegenüber dem Vormonat um 0,9 Prozent zugenommen hat. Das ist der höchste Anstieg seit 19 Monaten. Im März war das Plus in der Industrieproduktion mit 0,7 Prozent ebenfalls sehr hoch. Dahinter steht vor allem die Verbrauchernachfrage, die im ersten Quartal 2000 das stärkste Wachstum seit 17 Jahren aufwies.

Viele Experten auch an den Börsen rechnen mit einer deutlichen Zinserhöhung um 0,5 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent beim Tagesgeldsatz. Es wäre die sechste Anhebung innerhalb von elf Monaten. Die Notenbanker hatten die Zinswende Ende Juni 1999 eingeleitet und sind seitdem behutsam in kleinen Schritten von jeweils 0,25 Prozentpunkten vorgegangen. Dass die Fed diesmal mit einem halben Prozentpunkt einen großen Zinsschritt machen könnte, wird vor allem mit der hohen Konsumnachfrage und den Engpässen am Arbeitsmarkt, die lohntreibend wirken, begründet. Die Arbeitslosenquote ist kürzlich erstmals seit gut 30 Jahren unter vier Prozent gesunken, der Konsumboom trieb im ersten Quartal das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts auf 5,4 Prozent. Einige Fachleute rechnen aber auch diesmal nur mit einer Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte, denn die Notenbank muss aufpassen, die Inlandskonjunktur nicht abzuwürgen. An den Märkten wird nicht nur der Zinsbeschluss selbst, sondern auch die Begründung sowie mögliche Andeutungen über das weitere Vorgehen der Notenbank mit Spannung erwartet.

Der Euro könnte ebenfalls reagieren. Am Montag legte er auf Grund von Interventionsgerüchten zu. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 0,9147 Dollar fest nach 0,9029 Dollar am Freitag. Bundesbank-Präsident Ernst Welteke sagte in London, er rechne nicht damit, dass die drei großen Währungsblöcke Europa, Amerika und Japan in den kommenden Monaten eine konzertierte Aktion zur Stützung des Euros starten werden. Vor der US-Präsidentschaftswahl im Herbst seien die Amerikaner zu einem solchen Schritt kaum bereit. Eine isolierte Aktion der EZB befürworte er nicht.

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