Wirtschaft : Experten erwarten keinen wirtschaftlichen Einbruch

Carsten Brönstrup,Flora Wisdorff

Berlin - Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Flutkatastrophe in Südostasien dürften sich nach Ansicht von Experten in Grenzen halten. „Es scheint nahezu ausschließlich der Tourismus betroffen zu sein – deshalb wird das Wirtschaftswachstum in der Region nur leicht zurückgehen“, sagte Peter Kreutzberger vom Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft dem Tagesspiegel. Die Zerstörung habe nur mehrere hundert Meter ins Landesinnere gereicht, ergänzte Jochen Clausnitzer, Asienexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Industrieanlagen dürften kaum ruiniert worden sein. Die Katastrophe könne womöglich eine neue Chance bedeuten. „Wenn genügend internationale Hilfen fließen und die touristischen Anlagen neu gebaut werden, werden die Regionen attraktiver.“

In Indien werde das prognostizierte Wachstum von sieben Prozent im kommenden Jahr nicht maßgeblich von der Katastrophe beeinträchtigt, sagte Clausnitzer. Betroffene Regionen wie der Osten des Landes seien arm und kaum touristisch erschlossen, der Schaden dort belaufe sich auf fünf Millionen Euro. Allerdings werde die Zerstörung des wichtigen Hafens von Madras die lokale Wirtschaft bremsen.

Auch Thailand, wo der Tourismus immerhin sechs Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht, dürfte keinen Wachstumseinbruch erleiden. „Wir gehen davon aus, dass das Wachstum anstatt 5,5 Prozent sechs Prozent im kommenden Jahr betragen wird", sagt Clausnitzer. Zwar wurden in Thailand vor allem touristische Regionen beschädigt. Aber der DIHK geht davon aus, dass die zusätzlichen Aufträge an Bauindustrie und Speditionen für den Wiederaufbau die erwarteten Verluste von etwa zehn Prozent in der Tourismusbranche wieder ausgleichen. Die Touristen dürften bald zurückkehren. „Betroffen sind vor allem kleinere Hotels und Dienstleister – viele der Schäden können aber schon in wenigen Monaten behoben sein“, schätzt Stefan Bürkle von der Deutsch-Thailändischen Handelskammer in Bangkok.

In Indonesien ist noch unklar, ob auch Gas- und Ölanlagen beschädigt wurden. Sollten sie trotz der Nähe zum Epizentrum des Bebens unversehrt geblieben sein, werde auch hier das Wachstum kaum geschmälert. Sri Lanka dagegen ist eine Ausnahme. Das arme Land, das stark von Fischerei und Tourismus abhängig ist, dürfte 2005 nun nur ein Wachstumsplus von zwei bis drei statt von fünf Prozent verzeichnen, erwartet der DIHK.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben