Wirtschaft : Experten halten Merz-Plan für ausgewogen IW: Steuerentlastung für bis zu 80 Prozent der Arbeitnehmer

-

(brö). Das SteuerreformKonzept von CDU-Fraktionsvize Friedrich Merz ist nach Ansicht von Fachleuten nicht unsozial. „70 bis 80 Prozent der Arbeitnehmer hätten mit einer solchen Reform mehr Geld in der Tasche“, sagte Winfried Fuest, Steuerexperte beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, dem Tagesspiegel. Auch die Verringerung des Spitzensteuersatzes von 48,5 Prozent auf 36 Prozent sei kein Problem, findet Viktor Steiner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. „Den Spitzensteuersatz zahlen ohnehin nur wenige Besserverdienende. Zudem sorgt die Abschaffung vieler Steuersubventionen für ein höheres Maß an Gerechtigkeit als das bestehende System.“ Politiker der Grünen bemängelten indes die Unausgewogenheit des Vorschlags.

Das Konzept, das Merz gestern vorstellte, würde einen radikalen Umbau des Steuersystems bedeuten. Statt des bisherigen linear-progressiven Tarifs will er nur noch drei Steuersätze von zwölf, 24 und 36 Prozent einführen. Im Gegenzug sollen Vergünstigungen wie die steuerfreien Zuschläge für Nachtarbeit oder die Pendlerpauschale fallen. Festhalten will Merz an der Eigenheimzulage. Für jeden Bürger soll zudem ein Freibetrag von 8000 Euro gelten, alle Pauschalen fallen bis auf einen Arbeitnehmerfreibetrag von 1000 Euro weg. Den Staat soll die Reform fünf bis zehn Milliarden Euro kosten.

IW-Mann Fuest sieht gerade Familien durch den Vorschlag entlastet. Vierköpfige Familien mit zwei berufstätigen Eltern müssten so erst ab einem Jahreseinkommen von 34000 Euro Steuern zahlen. „Nur Bürger, die weite Wege zur Arbeit fahren müssen und wenig verdienen, müssen womöglich draufzahlen“, sagte er. Zudem gebe es für Reiche neben Ent- auch Belastungen. „Hausbesitzer oder Eigner eines Schiffsfonds könnten mit dem Merz-Vorschlag ihre Steuerlast nicht mehr so stark drücken wie heute“, sagte er.

Grüne lehnen Konzept ab

Auch Viktor Steiner vom DIW hält große Teile des Merz-Plans für sinnvoll, vor allem die Entlastung von Geringverdienern durch hohe Freibeträge. „Die Streichung der Pendlerpauschale ist nicht so schlimm, weil sie eher Gutverdienern nützt“, urteilte er. Die Verbreiterung der Bemessungsgrundlage bei gleichzeitiger Absenkung der Tarife werde das Einkommen vieler Haushalte erhöhen. Bei der Gerechtigkeitsfrage solle man sich nicht allein auf die Spitzensteuersätze konzentrieren. „Das ist reine Ideologie.“ Indes habe die Merzsche Reform auch Schwächen. „Die Stufentarife sind ökonomisch schädlich und dem linearen Tarif nicht überlegen.“

Die Grünen lehnen das CDU-Steuerkonzept hingegen ab. Die Pläne seien „weder sozial, noch gerecht“, sagte Grünen-Chefin Angelika Beer am Montag in Berlin. Das Konzept setze auf eine „Umverteilung von unten nach oben“. Zudem seien die Pläne „handwerklich unausgegoren“ und mit den Herzog-Vorschlägen der CDU offenbar nicht zu vereinbaren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben