Wirtschaft : Experten raten Anlage-Anfängern: Finger weg von Hedgefonds

Seit Januar sind die riskanten Investmentprodukte auch in Deutschland zugelassen. Banken erwarten ein rasantes Wachstum, Anlegerschützer warnen vor Leichtsinn

Alexander Wessendorf

Berlin. Der Deutsche-Bank-Konzern hat jüngst mit dem DWS Hedge Invest Dynamic den ersten Dach-Hedgefonds Deutschlands aufgelegt. Die Anlagephilosophie klingt verlockend, sollen diese doch eine absolut positive Wertentwicklung erzielen, unabhängig von Kursschwankungen und Marktentwicklung. Doch bereits auf der DWS-Internetseite erscheint ein unheilvoller Hinweis: „Der Bundesminister der Finanzen warnt: Bei dieser Kategorie von Investmentfonds müssen Anleger bereit und in der Lage sein, Verluste des eingesetzten Kapitals bis hin zum Totalverlust hinzunehmen.“ Diese Warnung soll fortan in allen Prospekten deutscher Dach-Hedgefonds enthalten sein.

Geprellte Anleger wird es trotzdem geben. „Wir erwarten, dass uns die Hedgefonds eine Menge Arbeit bescheren werden – und zwar sowohl im Hinblick auf seriöse Anbieter als auch auf Betrüger“, sagt der Frankfurter Anwalt und Präsident des Anlegerschutzbundes, Klaus Nieding. „In den vergangenen Monaten melden sich bereits zunehmend Geschädigte bei uns. Meist haben da Betrüger das Thema Hedgefonds als Einstiegsstory genutzt und dann abgezockt.“

Das so genannte Hedging bezieht sich ursprünglich auf Absicherungsmaßnahmen, die das Risiko bei Devisen- und Finanztransaktionen durch ein Gegengeschäft ausgleichen. Hedgefonds investieren überwiegend am Terminmarkt, in Derivate wie etwa Optionen und Futures. Diesen Derivaten können neben Aktien auch Indizes, Devisen, Anleihen oder Waren zugrunde liegen. Dabei werden nicht direkt Anteile erworben, sondern quasi Wetten auf Kurse abgeschlossen. Besonders bei Leerverkäufen mit geliehenen Aktien können Gewinne, aber auch Verluste das eingesetzte Kapital übertreffen. Regelrecht in die Höhe „gehebelt“ wird das Risiko durch den Einsatz von geliehenem Kapital.

Aus dem Grauen Kapitalmarkt geholt

Hedgefonds dürfen hier zu Lande erst vertrieben werden, seit 2004 das Investmentmodernisierungsgesetz in Kraft getreten ist. Rudolf Siebel, Geschäftsführer des Investmentverbandes BVI, sieht in dem Gesetz Vorteile für Produktvielfalt und Anlegerschutz: „Schließlich wurden Hedgefonds damit aus dem unregulierten grauen Kapitalmarkt herausgeholt. So bieten sie im Gegensatz zu Zertifikaten eine staatliche Aufsicht zum Schutze der Anleger und weisen kein Bonitätsrisiko bezüglich der Aussteller auf.“

Außerdem beschränkt das Gesetz den öffentlichen Vertrieb von Hedgefonds auf so genannte Dach-Hedgefonds. Diese dürfen maximal 20 Prozent ihres Vermögens in einen einzigen Zielfonds anlegen. Auch dürfen nicht mehr als zwei Zielfonds vom selben Aussteller und Fondsmanager verwaltet werden. Doch das Risiko eines Totalverlustes bleibt. Dorothea Kleine, Geldexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, hält daher eine umfassende Beratung für wichtig. Womit sich Anleger auf keinen Fall abspeisen lassen sollten: kurze, beschwichtigende Auskünfte, durch die die Risiken heruntergespielt werden. Anlegerschützer Nieding warnt zudem davor, die Dachfondslösung als Patentrezept gegen Verluste anzusehen: „Da verlieren sowohl Anleger als auch Fondsmanager den Überblick, wo sie investiert sind.“

Trotz der Bedenken wird Hedgefonds ein rasantes Wachstum zugetraut. Mittelfristig hält der BVI einen Anteil von fünf bis zehn Prozent am Mittelaufkommen der Branche für realistisch. „Vor dem Hintergrund dieser Zielgröße kann man in den nächsten fünf Jahren von einem Potenzial eines zweistelligen Milliardenbetrages ausgehen“, sagt BVI-Geschäftsführer Rudolf Siebel. 2003 flossen in Deutschland 31,9 Milliarden Euro in Fonds. Der Absatz bei Hedgefonds könnte demnach bis zu drei Milliarden Euro pro Jahr ausmachen.

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