Wirtschaft : Experten rechnen mit Euro-Kurs von 1,40 Dollar

Trotz erwarteter Zinserhöhung in USA keine Entspannung am Devisenmarkt

Anselm Waldermann

Berlin - Trotz der für diesen Mittwoch erwarteten Zinserhöhung in den USA rechnen Experten mit keiner Stabilisierung des Dollar. So gehen die meisten Analysten zwar davon aus, dass die amerikanische Notenbank (Fed) ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf zwei Prozent anheben wird. Dies werde den Dollar in seinem Verhältnis zum Euro aber nicht stützen. Im Gegenteil: „Der Trend zur Dollarabwertung wird anhalten“, sagte Martin Hüfner von der Hypo-Vereinsbank dem Tagesspiegel. So werde sich der Euro in den kommenden Wochen auf rund 1,32 Dollar verteuern, schätzt er. Im Lauf des kommenden Jahres sei sogar mit einem Kurs von 1,40 Dollar je Euro zu rechnen: „Damit wird man leben müssen“, sagte Hüfner.

In den vergangenen Tagen hatte der Euro deutlich zugelegt und sich der Marke von 1,30 Dollar genähert. Am Montag gab er zwar nach und notierte zeitweise bei 1,2887 Dollar. Dennoch hoffen die europäischen Exporteure auf höhere US-Zinsen, damit sich das Verhältnis der beiden Währungen wieder normalisiert – schließlich verteuert der hohe Euro-Kurs europäische Produkte, die in den Dollarraum ausgeführt werden.

Doch diese Hoffnung wird vermutlich enttäuscht. „Zum einen erwartet der Markt die Zinserhöhung und hat sie in den Kurs schon eingepreist“, sagte Peter Meister von der ING BHF-Bank. „Zum anderen aber spielen die Zinsen am Devisenmarkt ohnehin keine so große Rolle.“ Vielmehr seien für die Schwäche des Dollar andere Faktoren verantwortlich, vor allem das hohe Haushaltsdefizit und das Leistungsbilanzdefizit in den USA. Die Vermutung, dass sich diese Defizite mit dem Wahlsieg George W. Bushs nicht verringern werden, lässt den Dollar auch weiter schwächeln.

Das sieht auch Gerhard Jänsch von Sal. Oppenheim so: „Bush interessiert sich nicht für Defizite und Wechselkurse“, sagte er. „Er ist jemand, der nun noch rigoroser umsetzt, was er will.“ Dies bedeute weiterhin hohe Staatsausgaben – und damit einen weiterhin schwachen Dollar. „Die Argumentation für den Dollar ist derzeit nicht so sehr wirtschaftsbetont, als vielmehr Bush-betont“, sagte Jänsch.

Der Euro werde daher bald über die Marke von 1,30 Dollar springen. Zum Jahresende könnte er bei starker Wirtschaftsentwicklung in den USA zwar wieder auf 1,26 Dollar sinken, für 2005 sei aber erneut mit einem deutlichen Anziehen des Euro zu rechnen. Vor allem wenn China weiter Euros aufkauft und sich eventuell sogar ganz vom Dollar löst, könnte dies den Euro in die Höhe treiben. „Die Wahrscheinlichkeit, dass der Euro im kommenden Jahr die Marke von 1,40 Dollar erreicht, ist größer, als dass er sich abschwächt“, sagte Jänsch.

Mit einer Intervention der europäischen Zentralbank (EZB) zu Gunsten des Dollar rechnen die Experten vorerst aber nicht. „Allein kann die EZB sowieso nichts unternehmen“, sagte Hüfner. „Eine Intervention wäre nur im Einklang mit der Fed möglich.“ Doch das sei derzeit nicht zu erwarten. Schließlich profitierten amerikanische Exporteure vom derzeitigen Wechselkurs, sagte Meister von der ING BHF-Bank. „Den Amerikanern kommt der schwache Dollar nicht ungelegen.“

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