Wirtschaft : Experten stützen die Strategie der Telekom

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Berlin (fo/fw/mot). Die Telekom darf ihre Strategie nach Meinung von Branchen-Experten auch nach dem Rücktritt von Ron Sommer nicht vorschnell wechseln. Trotz des öffentlichen Drucks auf das Managment bleibe die Telekom in zentralen Geschäftsbereichen richtig aufgestellt, heißt es bei Beratern und Analysten, die der Tagesspiegel befragt hat. Der Schuldenabbau bleibe aber wichtigste Aufgabe des neuen Vorstands.

Gewarnt wird vor einem übereilten Verkauf des US-Mobilfunkunternehmens Voicestream, für das die Telekom im vergangenen Jahr 35 Milliarden Euro bezahlt hatte, vor allem in T-Aktien. Carlo Stallmann, Partner bei Arthur Andersen, hält das Ziel für richtig. „Die Telekom muss ihre Globalisierung ernst nehmen und die Strategie im Konzern implementieren." Das heißt: Für Voicestream sollte ein Partner gefunden werden, der die notwendigen Investitionen mitträgt, und der gleichwertig neben der Telekom beteiligt ist. „Je mehr sich die Telekom auf solche Partnerschaften einlässt, desto mehr muss sie sich von Traditionen – etwa, grundsätzlich kein Junior-Partner sein zu wollen – verabschieden", sagte Stallmann. Bislang hatte die Telekom sich immer mehrheitlich beteiligt, um die Fäden in der Hand zu halten.

Weil Voicestream aber nur über ein regionales Netz verfügt, ist es schwer, zu den großen Konkurrenten in den USA aufzuschließen. Berichten zufolge muss die Telekom bis 2005 rund 6,4 Milliarden Euro nachschießen, um den US-Marktanteil von heute sechs auf zehn Prozent zu steigern. Als Partner im Gespräch sind sowohl die Mobilfunktochter von AT&T wie auch der zweitgrößte US-Mobilfunkanbieter Cingular.

„Hier muss langfristig gedacht werden“, sagt Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin. Anstatt die Beteiligung schnell loszuwerden, um die Schulden von 67 Milliarden Euro kurzfristig zu reduzieren, müsse an das Potenzial im US-Markt gedacht werden. Dieser Meinung ist auch Werner Stäblein von der BHF Bank. „Bis jetzt hat Voicestream genau das geliefert, was alle sehen wollten.“ Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen sei positiv. Stäblein zufolge kann die Telekom Investitionen aus ihrem operativen Geschäft finanzieren. Von einer Fusion mit einem Mobilfunker rät er ab.

An einen schnellen Strategiewechsel nach dem Sommer-Rücktritt glaubt auch Unternehmensberater Jochen Kienbaum nicht. „Ad hoc lässt sich gar nichts ändern“, sagte er. Es sei im übrigen „vermessen“ als Außenstehender Strategiefehler wie die US-Expansion oder den Kauf der UMTS-Lizenzen anzuprangern. Die Schulden müssten allerdings dringend abgebaut werden. Die Debatte um Sommers Ablösung habe dem Unternehmen großen Schaden zugefügt. Sommers Nachfolger sollten im Vorstand die Vertrauensfrage stellen. Ob dies „aus einer Position der Stärke" gelinge, sei aber zweifelhaft.

Investoren fanden am Dienstag Lob für den scheidenden Telekom-Chef. Ron Sommer habe den Willen zu strategischen Änderungen erkennen lassen, heißt es in einer Analyse der Investmentbank Lehman Brothers. Der künftige Vorstand könnte schon bald Positives über den zweiten Versuch melden, das Kabel zu verkaufen: „Nach dem gescheiterten Deal mit Liberty ist aktuell wieder viel in Bewegung“, weiß Carlo Stallmann von Arthur Andersen.

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