Wirtschaft : Expertenmeinung: Keine ernsthafte Konkurrenz für internationalen Kreditwirtschaft

Die Allianz der japanischen Großbanken wird die Kräfteverhältnisse in der internationalen Kreditwirtschaft nicht auf den Kopf stellen. Das sagte der Experte für Banken und Japan bei der DG Bank, Michael Pohn, in Frankfurt. Die geplante Holding der Kangyo Bank, Fuji Bank und Industrial Bank of Japan werde "keine ernsthafte Konkurrenz" für führende Finanzinstitute sein. Die Deutsche Bank und die meisten anderen Großbanken seien viel ertragreicher und stünden auf gesünderen Füßen. "Wenn sich Lämmer zusammenschließen, kann man den Wolf nicht töten." Die angestrebte Allianz sei "aus der Not geboren und nicht nach außen gerichtet", sagte der Analyst.

Zwar würde das Dreigestirn mit einer Bilanzsumme von knapp 2,4 Bill. DM den jetzigen Branchenprimus Deutsche Bank (1,66 Bill. DM) an der Weltspitze ablösen. "Dies heißt aber nichts", sagte Pohn. Der nach Bilanzsumme mögliche "Abstieg" der Deutschen Bank zur weltweiten Nummer zwei brauche die Frankfurter nicht zu beunruhigen. "Es sei denn, die Deutsche Bank hängt am Image der Nummer eins."

"Fast alle japanischen Banken haben Leichen im Keller", sagte Pohn und verwies auf immer noch nicht verdaute horrende Verluste aus ungedeckten Spekulationskrediten für Immobilien. Außerdem habe die jahrelange Rezession in Japan kräftig auf die Bilanzen gedrückt. "Die Konzentration bietet die Chance, über mehr Masse die Ertragskraft wieder zu stärken", sagte er. Abgesehen von "hausgemachten Problemen" kämpften japanische Banken auf ihrer heimischen Insel auch gegen starke ausländische Konkurrenz. Bei Investment und Wertpapieren sei dieser Druck besonders stark. Außerhalb Japans machten die Banken "ohnehin nur Verluste". Die Zahl der japanischen Großbanken werde sich möglicherweise halbieren.

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