Wirtschaft : Expo 2000 droht Verlust in Millionenhöhe

HANNOVER/BONN (dpa/Tsp).Der Weltausstellung "Expo 2000" droht ein dreistelliger Millionenverlust.In einem vertraulichen Papier gehen die Verantwortlichen knapp zwei Jahre vor Beginn davon aus, daß der gewünschte Abschluß der Weltausstellung ohne Verluste immer unwahrscheinlicher wird.Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird nach heutigem Stand das wahrscheinliche Defizit auf gut 250 Mill.DM beziffert.Das Wirtschaftsministerium in Bonn sprach von "reinen Spekulationen".Es teilte mit, daß die Unternehmensberatung Roland Berger mit einer Analyse der Risiken beauftragt wurde.Nach einem Bericht des Magazins "Stern" befürchtet ein Expo-Manager sogar einen Verlust bis zu einer Mrd.DM.Dabei geht es um Berechnungen für ein "absolutes Katastrophen-Szenario" mit 20 Prozent weniger Besuchern durch schlechtes Wetter, ein dauerhaftes Verkehrschaos und ein Attentat während der Expo.

In einer aktuellen Expo-internen Studie werden nach Angaben aus Expo-Kreisen mehrere Szenarien für die vom 1.Juni bis 31.Oktober 2000 dauernde erste Weltausstellung in Deutschland durchgespielt.Als realistisch betrachtet werden derzeit Finanzrisiken von 395 Mill.DM, denen Mehreinnahmen von 140 Mill.DM gegenüberstehen.Die Höhe der Risiken hat sich damit innerhalb eines Jahres verdoppelt.

Eine wesentliche Ursache für die drohenden Verluste ist die anfangs von der Expo GmbH nicht einkalkulierte Umsatzsteuer auf den Ticketverkauf.Das Bundesfinanzministerium lehnt die erhoffte Umsatzsteuerbefreiung für die Expo GmbH ab.Bei einem kalkulierten Ticketumsatz - bei 40 Millionen Besuchern - von 1,6 Mrd.DM beliefe sich die Umsatzsteuer auf 256 Mill.DM.

In ihrer derzeitigen Verlustrechnung geht die Expo GmbH noch von einem bislang nicht absehbaren Kompromiß aus, wonach ihr zumindest die Hälfte der Umsatzsteuer erlassen wird.Ein Regierungswechsel in Bonn könne sich für die Expo günstig auswirken, hofft man in Hannover.Bund und Länder müssen für Verluste gemeinsam mit bis zu einer Mrd.DM geradestehen.Die Bürgschaft von Bund und Land war erst Ende vorigen Jahres verdoppelt worden.

Hinter den Kulissen wird in der Expo-Geschäftsführung und im Aufsichtsrat seit längerem das selbstgesteckte Ziel der "schwarzen Null" als schwer erfüllbar gesehen.Die Expo-Macher in Hannover waren mit der Aussage, die Weltausstellung in Deutschland werde die erste selbstfinanzierte Expo sein, an den Start gegangen.Allerdings wird auch auf Einsparungen während des vergangenen Jahres von gut 120 Mill.DM verwiesen, der Großteil bei den Baukosten.

In einem Gespräch mit dem "Tagesspiegel" hatte der Vorsitzende des Expo-Aufsichtsrats, Helmut Werner, erst kürzlich noch betont, daß die Expo "äußerst lukrativ" sei.Wenn der Staat 4,5 Mrd.DM an zusätzlichen Steuern erhalte, störe es niemanden, ob die kleine Expo GmbH ein paar Millionen DM Gewinn oder Verlust mache, so Werner.

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