Wirtschaft : Expo auf Sponsorensuche im Kanzleramt

BERLIN (jhw).Die Weltausstellung geht heute gemeinsam mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf Sponsorenjagd.Im Bundeskanzleramt kommen Vertreter der Bundesregierung und der Expo 2000 Hannover GmbH mit Verantwortlichen von rund 30 deutschen Unternehmen zusammen.Eingeladen sind die Chefs von 34 großen Firmen.Unterdessen kündigte die Expo bereits für die kommenden Tage neue Sponsorenverträge an.

Coca-Cola, VW und die Deutsche Post werden in den kommenden Tagen zu Partnern der Weltausstellung.Nach Angaben der organisierenden Expo-Gesellschaft hat die Weltausstellung bisher Verträge mit acht Hauptsponsoren, den sogenannten Weltpartnern, und elf der sogenannten Produktpartner abgeschlossen.Ein Weltpartner zahlt ein Eintrittsgeld in Höhe von mindestens 30 Mill.DM, jeder Produktpartner zahlt mindestens zehn Mill.DM.Bisher hat die Expo nach eigenen Angaben Erlöse von rund 450 Mill.DM eingeworben.

Die Verhandlungen mit drei Weltpartnern stehen nach Expo-Angaben unmittelbar vor dem Abschluß.Die Geschäftsführung um Birgit Breuel hofft darauf, den zwölften Weltpartner in der Kanzlerrunde zu finden.Ursprünglich hatten die Organisatoren der Weltausstellung beabsichtigt, zwischen zwölf und 15 Weltpartner zu gewinnen.

Doch nach wie vor haben viele Unternehmen offenbar Schwierigkeiten mit dem Leitthema der Weltausstellung "Mensch - Natur - Technik".Aus Gesellschafterkreisen der Expo war zu erfahren, daß der Schwerpunkt zu ökologisch und nicht genügend an den Interessen der Firmen ausgerichtet sei.Demgegenüber stellte ein Sprecher der Expo, Michael Sasse, gegenüber dem Tagesspiegel fest: "Die Weltausstellung ist keine Selbstdarstellungsschau der deutschen Wirtschaft." Es handele sich bei der Expo nicht um eine Verkaufsmesse, vielmehr gebe es einen "inhaltlichen Anspruch".Umweltschutz dürfe nicht nur aus der Sicht der deutschen Industrie dargestellt werden.Zugleich sei allerdings garantiert, daß Umweltgruppen kein Übergewicht bekommen würden.Die mangelnde Begeisterung der deutschen Unternehmen ist für die Expo schon seit Beginn der Planung ein großes Problem.Neben der jahrelangen Finanzdiskussion um die Verluste der Weltausstellung waren fehlende Sponsoren mehrfach Anlaß für personelle Veränderungen in der Geschäftsführung.Schon Schröders Vorgänger Helmut Kohl (CDU) hatte die Wirtschaft wiederholt zu einer stärkeren Beteiligung gedrängt.Die Kanzlerrunde findet deswegen bereits seit drei Jahren statt.

Nach dem aktuellen Wirtschaftsplan beteiligen sich der Bund und das Land Niedersachsen an der Deckung eines absehbaren Verlustes der Expo in Höhe von bis zu 400 Mill.DM.Zusätzlich haben Bund und Land ihren Bürgschaftsrahmen für das laufende Geschäft auf 1,77 Mrd.DM erhöht, weil Ausgaben und Einnahmen der Gesellschaft zeitlich auseinanderfallen und es der Geschäftsführung deshalb an Liquidität fehlt.

Derweil geht die Expo-Gesellschaft davon aus, daß die Weltausstellung, die am 1.Juni 2000 ihre Tore öffnet, die größte werde, die es jemals gegeben habe.Bisher sind der Expo zufolge fast 100 Teilnehmerverträge mit Staaten und internationalen Organisationen unter Dach und Fach.An der Weltausstellung im vorigen Jahr in Lissabon hatten sich 106 Staaten beteiligt.Für Hannover zugesagt haben nach Veranstalterangaben 187 Staaten und internationale Organisationen.

Allerdings ist unklar, ob die Vereinten Nationen - wie ursprünglich geplant - an der Expo 2000 teilnehmen werden.Die Lage sei "prekär", bestätigte Expo-Sprecher Sasse.In der Vergangenheit habe die gastgebende Nation die Präsentationsfläche der Vereinten Nationen bezahlt, was einem Betrag von rund 700 000 DM entspreche.Doch nun verlangten die Vereinten Nationen, daß Deutschland die Löhne und Gehälter, Reisen, Verpflegung und Übernachtung aller Mitarbeiter übernehmen müsse.Das Bundeskabinett hatte dieses Ansinnen in der vergangenen Woche abgelehnt.

Die Expo reagiert ähnlich: "Wir werden die Kosten nicht übernehmen", sagte Sasse gestern.Die Gesellschaft hatte im vorigen Jahr einen Sponsor für den Auftritt der Vereinten Nationen gesucht - und zunächst auch gefunden.BMW war zwar bereit gewesen, sechs Mill.DM zu zahlen.Aber zu einem Vertragsabschluß kam es schließlich nicht, weil die Forderung der UN offenbar zu hoch war und sich BMW nicht den eigenen Vorstellungen entsprechend präsentieren konnte.Die Expo hofft trotzdem, daß die Vereinten Nationen teilnähmen, hieß es.

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