• Expo-Flop: "Der Karren ist ziemlich an die Wand gefahren" - Werbefachmann Schnell im Gespräch über die neue und alte Expo-Kampagne

Wirtschaft : Expo-Flop: "Der Karren ist ziemlich an die Wand gefahren" - Werbefachmann Schnell im Gespräch über die neue und alte Expo-Kampagne

Herr Schnell[die Expo startet eine neue Werbekamp]

Pieter Schnell ist Vorstand der Heymann Schnell Werbeagentur AG. Erst jüngst hat die Berliner Agentur mit ihrer Kampagne für die Berliner Stadtreinigung ("We kehr for you!") für Aufsehen gesorgt.





Herr Schnell, die Expo startet eine neue Werbekampagne, ist denn das Image der Weltausstellung überhaupt noch zu retten?

Es wird schwierig. Der Karren ist schon ziemlich an die Wand gefahren. Abgesehen davon ist das Problem der Expo sicher nicht nur ein Werbe-Problem. Schon vor Beginn der Expo hat das Management gravierende Fehler gemacht. Die Preise haben nicht gestimmt und die ganze Veranstaltung ist viel zu kopflastig aufgezogen worden. Man wird an mehreren Schrauben drehen müssen. Die Werbung zu forcieren, ist richtig. Nur hätte man nicht so lange warten dürfen.

Was halten Sie von der Idee, mit Verona Feldbusch und Peter Ustinov, Lust auf die Expo zu machen?

Die Besetzung finde ich klasse: Der Schauspieler Peter Ustinov steht für den gebildeten und interessierten Weltbürger, die Show-Masterin Verona Feldbusch für Spaß und Unterhaltung. Beide zusammen sind ein interessantes Team - gerade weil sie so verschieden sind. Das erzeugt Spannung. Und natürlich sprechen sie eine große Bandbreite beim Publikum an.

Reicht das denn aus?

Ganz sicher nicht. Der PR-Rummel muss viel stärker werden. Beim Thema Expo dürfen die Leute nicht nur an pinkelnde Adlige oder Entlassungen denken. Sie müssen Tag für Tag über besondere Ereignisse wie Konzerte informiert werden und Lust bekommen, nach Hannover zu fahren. Sie müssen das Gefühl bekommen, etwas zu verpassen.

Bisher hat das nicht geklappt. Was hat die Expo bei ihrer Werbung falsch gemacht?

Die bisherige Werbung war viel zu technisch und zu wenig emotional. Die Kampagne "Expo, die Welt von morgen", steht für High Tech und Future. Das mag einen Diplomingenieur interessieren. Meine Mutter fährt deshalb nicht nach Hannover.

Was interessiert Ihre Mutter?

Man muss das Themenspektrum weiter fassen. Die unglaubliche Vielfalt der Kulturen herausstellen. Einzelne Veranstaltungen bewerben. Viel mehr die Sinne ansprechen. Für den Eintrittspreis will der Normalbürger einen unvergesslichen Tag erleben und nicht nur technische Fragen beantwortet bekommen. Es ist noch eine Menge zu tun, aber mit dieser neuen emotionalen Kampagne ist ein Anfang gemacht.

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