Wirtschaft : Expo-Flop: Ein Fußballspiel in Hannover (Kommentar)

Antje Sirleschtov

Was haben Sie für Ihren letzten Theaterbesuch bezahlt? 120 Mark Eintritt? 50 Mark für Sekt und zwei Häppchen in der Pause? 90 Mark für den Friseur? Noch mal 100 Mark für Taxi, den Babysitter, Mamas neuen Lippenstift und die Schnellreinigung von Papas Sacko? Sehr schnell kommen ein paar hundert Mark zusammen, wenn man am Wochenende den Fernsehsessel gegen eine Live-Veranstaltung eintauscht. Kaum jemand bejammert das. Warum dann nicht am kommenden Sonnabend das gleiche Geld für einen Ausflug nach Hannover investieren? Es könnte sich lohnen. Denn dorthin hat Deutschland für einige Monate die ganze Welt eingeladen, um gemeinsam staunen zu können. Über Visionen, die die Japaner vom Leben in 1000 Jahren haben. Über die Baukunst Schweizerischer Architekten. Über schwindelerregend große Holzdächer und winzig kleine Bausteine in futuristischen Taschenrechnern. Es sollte Sie nicht stören, dass Sie heute, knapp acht Wochen nach ihrer Eröffnung auf dem Weg zur Expo 2000 im Bekanntenkreis wahrscheinlich eher Spott ernten. Denn das schlechte Ansehen der Expo betrifft nur ihre Organisatoren. Zu überheblich formulierten sie den Anspruch der Deutschen, eine Show zu präsentieren, die größer, intellektuell anspruchsvoller, zukunftsweisender und nicht zuletzt wirtschaftlicher sein werde als alles vorher Dagewesene. Und zu beharrlich bewiesen dieselben Organisatoren dann später der Öffentlichkeit, dass die Deutschen ihre Expo in etwa so innovativ vorbereiten wie den Auftritt ihrer Fußball-Nationalmannschaften: Mit den Ansprüchen von Morgen und den Strukturen von Gestern.

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